2015-04 D Berlin – Brandenburg

Berlin
Hätte man mich meiner Sinne beraubt und mich ohne mein Wissen in den Berliner Grunewald verfrachtet, ich hätte sofort erkannt wo ich mich befinde. Denn das gibt es sicherlich nur einmal auf der Welt: nummerierte Bäume. Aber nicht nur das wäre das Alleinstellungsmerkmal für einen deutschen Wald, auch die umfangreiche Beschilderung, was der Wanderer hier darf oder eher nicht darf und zu unterlassen hat. Krach machen, Tiere stören, Müll entsorgen, diesen oder jenen eigentlich zum Betreten geeigneten Waldabschnitt, nicht betreten, hätten mich, von der Sprache einmal abgesehen, sofort erkennen lassen, dass ich mich in einem deutschen Wald befinde.

Und da kamen sie auch schon um die Ecke, die Hauptstadtbewohner, bepackt und gedresst mit umfangreichen Ausrüstungsgegenständen aus den einschlägigen Outdoor- und Sportspezialgeschäften. Hier in hypermoderner Funktionswäsche mit am Computer speziell kreierten Laufschuhen joggend, dort mit dem neuesten Mountainbike und der ActionCam auf dem duchgestylten Fahrradhelm um anschließend, per Livestream das Machwerk der Youtube Gemeinde zur Diskussion zu stellen und am „Abenteuer Waldspaziergang“ teilnehmen zu lassen. Allein eine solche Grundausrüstung übersteigt das Jahreseinkommen eines griechischen Hochlandbauern um ein Vielfaches.

Da komme ich mir mit meiner abgewetzten Jeans und löchrigen Wanderschuhen schon ein wenig fehl am Platze vor. Trotz dieser Widrigkeiten dringe ich weiter in den Grunewald vor und nach wenigen Kilometern schlendere ich alleine mit Hund in den Frühlingsnachmittag, treffe vereinzelt auch Menschen, die einfach nur den Wald und die Ruhe genießen.

Ein gleichmäßiges Piepsen stört ein wenig das Vogelgezwitscher, die Ursache, der Ruhestörer ist schnell identifiziert. Ein lustiger Rentner kommt von hinten laut elektronisch piepsend angetrabt. Was ist das denn nun schon wieder? Ich vermute sein Bordcomputer ist mit einem dieser neuartigen Ratgeberprogramme, einer sogenannten ActApp ausgerüstet um ihm den Rhythmus vorzugeben, damit er möglichst effektiv und auch später noch möglichst rüstig für sein weiteres Leben gewappnet ist. Piepsend verschwindet er um die nächste Ecke und ich habe meine Ruhe.

Wer übrigens mehr zu den ActApps erfahren will, die dein Leben so toll umbauen und gestalten damit du immer zufriedener leben wirst, dem sei das Buch von Marc Elsberg „ZERO – Sie wissen, was du tust“ ans Herz gelegt.

Niederfinow
Heute Nachmittag fahre ich weiter und denke noch so bei mir, Mensch eigentlich bist du in der Nähe, hast Zeit, schon immer und ständig davon gehört, technisch interessiert bist du auch – nichts wie hin zum Schiffshebewerk nach Niederfinow.

So kurz vorher denke ich noch, du bist nicht mehr im verkehrsberuhigten Griechenland, völlig normal, hier leben eben ein paar mehr Einwohner je km2. Aber da schießt es mir in den Kopf, heute ist Sonntag. Der Tag an dem des Deutschen Lieblingsspielzeug den Nachbarn und anderen Mitmenschen frischpoliert auf Straßen und Plätzen, an Currywurstständen, Ausflugslokalen und Waldparkplätzen vorgeführt wird. Und was, denkt sich der Rand- und Stadtberliner bietet sich da besser an als das Schiffshebewerk in Niederfinow.
Da schaukel ich so die Zufahrt zu der Großbaustelle der Papenburger Bauunternehmung Bunte Bau herunter und traue meinen Augen nicht. Da tummeln sich auf einem riesigen „gebührenpflichtigen Parkplatz“ tausende meiner Mitmenschen zwischen all ihren Lieblingen, Fresstempeln, Souvenirständen und dem Parkscheinautomaten.
Mit einem schnellen Blick habe ich die Situation erfasst, nein hier musst du sofort wieder weg. Allerdings geht nichts mehr zurück, da sich in Sekundenbruchteilen eine mehrere hundert Meter lange Schlange hinter meinem Wagen gebildet hat. An der Einfahrt gibt es keine Schranke und so drehe ich eine schnelle Runde über den Buswendeplatz und verschwinde durch die Einfahrt wieder hinaus. Glücklicherweise hat mein geschultes Stellplatzauge schon wenige Kilometer vorher die Lokalität gescannt und einen geeigneten Ausweichplatz entdeckt. Direkt an einer Ruine eines Heizhauses aus längst vergangenen Zeiten finde ich einen Wohnort und Ruhe im angrenzenden Wald. Ein Hinweisschild zeigt mir den Weg, nur 2,5 km zum Schiffshebewerk Niederfinow. Das ist doch einmal eine schöne kleine Wanderung für einen Montag.

Am Morgen wandere ich den Deich entlang immer Richtung Hebewerk und werde abrupt in meinem Entdeckerdrang gebremst. Der Weg endet vor einem provisorischen Bauzaun, eine neue Aufstiegsanlage für zahlungskräftige Besucher ist in Bau, neue Absperrungen sind bereits betoniert, Grünanlagen angelegt, aber an zu Fuß am Deich entlang kommende Besucher wurde kein Gedanke verschwendet, die können sehen, wo sie weiter kommen. Das tue ich auch und zwänge mich durch die Absperrungen. Keinen interessiert es, warum auch, es ist keiner mehr da, außer ein paar gelangweilte Gastwirte, die den Umsatz des Vortages bereits zur Bank transportiert haben. Menschenleer präsentiert sich der Wallfahrtsort der vortäglichen Besucherscharen. Mir gefällt es so, allerdings gibt es eigentlich auch nicht viel zu sehen. Das Hebewerk soll in Betrieb sein, aber wenn kein Schiff kommt …, und es kam keines stundenlang nicht.

Was soll denn dieses Foto?

Mülltonne

Dieses Foto stellt ein Problem für unterwegs Lebende ohne festen Wohnsitz dar, die ihre hausmüllartigen Abfälle ordnungsgemäß in Deutschland entsorgen wollen.

Denn hier sind diese oder ähnliche sogenannte Restmüllbehälter abgeschlossen, eingeschlossen oder auf andere Art und Weise nicht öffentlich zugänglich. Auch auf Rastplätzen oder in Parkanlagen sind die vorhandenen Abfallbehälter derart gestaltet, dass kaum die Hand eines erwachsenen Menschen in die Öffnung hineinpasst. Wer weiß, wie lange es noch dauert und der eine oder andere lässt sein Abfallprodukt wieder einfach so fallen …

Nein nicht Griechenland auch in Deutschland gibt es illegale Müllberge.

Nein nicht Griechenland auch in Deutschland gibt es illegale Müllberge.

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