2015-07 und 08 S Höga Kusten und der Skuleskogen Nationalpark

Mit Überquerung der Högakustenbron verwandelt sich Schweden in eine bergige, satt grüne Waldlandschaft. Kurvig führt die Straße gen Nord-Ost, Mercedes staunt und stöhnt ob der kleinen aber heftigen Steigungen.

Norrfällsviken

Ziel ist, natürlich die Küste, der Strand, den es hier auch geben soll. Norrfällsviken, eine Feriensiedlung, ein riesiger Campingplatz, ich glaube, ich wiederhole mich. Nein, nicht ganz, dann hier gibt es auch noch einen riesigen Golfplatz mit dazu. Ein Golfplatz in Schweden ist im übrigen nicht so elitär, wie in manchen Gegenden im restlichen Europa. Der Zugang ist offen, es gibt keine Zäune und auch der Hund darf schon einmal mit Herrchen dort Gassi gehen. Die obligatorische kleine, meist schwarze Kacktüte gehört in Schweden sowieso zur Grundausttattung, selbst mitten im Wald, abseits jeglicher „Zivilisation“. Die Golfspieler, sagt man das so?, unterliegen auch anscheinend nicht irgendeinem Dresscode, sie halten auch keine Champagnergläser und Lachschnittchen in der Hand und sind durchweg gemischten Alters – beachtlich. Tatsächlich reisen sogar einige Golfer mit Wohnmobilen an und wohnen direkt vor dem Golfplatz in freier Natur, in Deutschland undenkbar.

Nördlich des Golfplatztrubels gibt es Platz zum Wohnen, direkt hinter der Düne mit sogar einem etwas abseits gelegenen „nudist strand“. Ein Wasserhahn ist auch vorhanden und Ruhe, wenn da nicht so ab und an der eine oder andere Zeitgenosse mit seinen Eigenarten für Unterhaltung sorgen würde, wäre es direkt ein wenig zu ruhig.

Gegen Spätnachmittag beginnt dann auch das Unterhaltungsprogramm. Da kommt da so ein Fahrzeug aus dem unteren sechstelligen Euro Bereich auf den lauschigen Waldparklatz geschaukelt. Diese Art Fahrzeuge werden anscheinend nur an einen bestimmten Typ Mensch verkauft, so mein bisheriges Fazit mit Bewohnern dieser und ähnlicher Fahrzeuge, aus den Häusern der Fahrzeugschmieden Carthago und Phönix.

Sie verlassen ungern, ähnlich den griechischen Schildmenschen ihre schützenden rollenden Unterkünfte. Selbstverständlich ist das natürlich auch nicht gezwungenermaßen notwendig, da menschliche Bedürfnisse und anderweitige Tätigkeiten auch im Fahrzeug verrichtet werden können, und in gewissem Maße bietet selbst eine Kunststoffhülle schon Schutz gegen die zahlreichen, natürlichen Fressfeinde des Menschen, und ebenso gegen die Widrigkeiten der Natur.

Nun, so ganz stimmt meine Schilderung der Ereignisse nun doch nicht. Nach kurzer Verweildauer wurde zumindest der weibliche Phoenix dann doch in freier Wildbahn gesichtet. Mit einem Eimer frischen Wassers aus der nahe gelegenen Leitung und einer Teleskopwaschbürste bewaffnet, versuchte sie den Verschmutzungen des heutigen Regentages an ihrem nagelneuen, weiß glänzenden Zuhause Herr bzw. Frau zu werden. Der Liebling wurde sanft bewaschen und mit einem weichen Lederlappen abgetrocknet. Das es sich bei den Besuchern um Personen deutscher Staatsangehörigkeit handelt, dürfte, spätestens jetzt, jedem klar sein.

Anschließend wurde niemand mehr gesehen, die Fenster mit einem Sichtschutz bedeckt und die Oyster Satellitenantenne brachte umgehend den Spaß der Unterhaltungsgesellschaft ins mobile Heim. Am nächsten Morgen noch ein kurzer Wortwechsel, nein, ich backe kein Öko Brot, sondern braue Nicht-Öko Bier – und schon waren sie wieder verschwunden.

Wir befinden uns hier in einer Gegend, die die Natur mit viel Sorgfalt und Geschmack auch für uns Menschen hergerichtet hat. Umso erstaunlicher ist es für mich, das es Mitmenschen gibt, die diese Art Kunst komplett ignorieren. Eigentlich bin ich aber auch froh, so habe ich diese monumentalen Bauwerke ganz für mich, fast jedenfalls. Und für Timo, und für die anderen, die die Natur für ihre Kreativität lieben. 🙂

Die Tage vergehen mit Bier brauen, Blaubeeren und Pilze sammeln, wandern, lesen und in der Sonne chillen. Ab und an ein nettes Gespräch. Die meisten Besucher bleiben nur kurz, viele sind unruhig und rastlos, heute hier und morgen da. Hoffentlich wissen sie nach ein paar Tagen noch, was sie so alles erlebt und gesehen haben.

Heute ist wieder einmal der Tag des Kuschelns. Man glaubt es kaum, aber selbst mit meiner Riesenschrankwand finden es andere Reisende sehr interessant in unmittelbarer Nähe, ich spreche hier nicht von 100-200m, in Schweden sind die Verhältnisse schon ziemlich beengend. Nein, so ein kleiner WoMo Kastenwagen parkt auf einem Areal von schätzungsweise 200x350m, das sind über 6 Fussballfelder, ungefähr 4m neben meinem Wagen. Eigentlich stört mich das nicht, aber wenn dann das wärmende Feuer ebenfalls so 3-4m neben meinem Gastank lichterloh brennt, naja. Sie, Typ Verwaltungsfachangestellte, er Sozialpädagoge, komplett im Einheitslook der Marke mit den Tapsen gedresst. Soweit das Vorurteil. Generell lasse ich mich nicht von solchen Dingen beeinflussen, ich bin dann raus zu ihnen, nur mal guten Tag sagen …, manchmal stimmen sie doch.

Mein Wagen ist gegen von außen eindringenden Rauch relativ dicht, wenn alle Luken und Fenster verriegelt sind, ein österreichischer Nachbar hat die Sichtblenden schon einmal vor gebaut. Mit anderen Reisenden hätten die beiden wohl richtig Ärger bekommen. Aber ich sehe die Sache gelassen, was hätte ich sonst heute Abend schreiben sollen. 😉

Schweden ist ein sehr Brauer freundliches Land. Die Infrastruktur ist teilweise vorbildlich, oben zu sehen, eine Spülanlage für Edelstahlfässer in Västernorrland. Die Benutzung ist kostenlos.

Skuleskogen Nationalpark

Schweden Skuleskogen Nationalpark

Hier in Schweden gehört der Mensch, auch und insbesondere der in mobilen Behausungen lebende, zum Gesamtbild eines Nationalparks. Der Skuleskogen an der Höga Kusten ist seit 1984 Nationalpark und gehört zum Weltkulturerbe. Es gibt ein Natureum direkt an der E4, eine Zusammenstellung der erdgeschichtlichen Ereignisse, die zur Entstehung der Gesamtlandschaft Schwedens in dieser Region führten. Das Ganze mit vielen Computern und Videovorführungen dekoriert. Gut geschützt vor den Widrigkeiten der Natur ist an diesem Regentag der Besucherandrang sehr groß. Deshalb begebe ich mich doch lieber in die Natur selbst.

Der Nationalpark hat drei Zugänge. Der nördliche liegt etwas abseits der größten Verkehrsadern. Per Schotterstraße geht es einspurig in den Wald.

Der Besucher aus anderen Teilen Europas ist schon etwas erstaunt, denn der Status Nationalpark bedeutet in einigen Ländern und je nach Nationalpark, dass unter Umständen noch nicht einmal der Mensch Zutritt hat. Aber hier in Schweden ist alles anders und das hat sich noch nicht geändert im Laufe der letzten Jahre. Zwar gilt hier ein eingeschränktes Allemansrätten aber es gibt jede Menge Plätze an denen man so richtig die Sau rauslassen kann, z.B. um selbige oder Teile von ihr auf einem munter lodernden Feuer zurecht zu bruzeln. Dazu ein 3,5% Latöl und die Grillparty inmitten von Wald und Natur ist vollkommen. Das stelle man sich einmal in Deutschland vor. Ein offenes Feuer in einem Nationalpark. Das bedeutet zumindest Freiheitsentzug für mehrere Jahre, wenn nicht noch mehr. Aber dem nicht genug, für den übermüdeten Wanderer nach vielen oder auch wenigen Kilometern und zu langem Grillfest stehen allerorten kleine Übernachtungshütten, sogar mit ein paar Betten zur Verfügung, oder er nimmt einfach sein Zelt und schon ist für einen erholsamen Schlaf gesorgt.

Für schwedische Verhältnisse ist hier schon ganz schön Betrieb, vor allem an den Camping- und Übernachtungsplätzen. Auch unterwegs trifft man etliche Wanderkollegen, aber auch ganze Familienclans, bewaffnet mit allerlei Kühlboxen und Grillequipment.

Etwas abseits der Hauptpfade findet der Wanderer aber dennoch die Ruhe und Schönheit der fast unberührten Natur. Über Geröll und Wurzeln kletternd, stetig ansteigend laufen wir gen Slattsdalskrevan, die Aussicht am Gammbodarna genießend, zur Halbinsel Tärnättholmarna und zurück. Eigentlich wollte ich bis zum Südeingang und dann die gesamte Küstenstrecke wieder gen Norden laufen, aber mit meinen neuen Schuhen (Kaufrausch) läuft es sich noch nicht so flüssig. Um die Füße zu schonen, kürze ich ab.

Das Abendessen steht in Form von Steinpilzen und Rotkappen direkt am Weg. Als Abwechselung zur „normalen“ Pilzpfanne gibt es heute ein Hühnchencurry mit Waldpilzen.

Wanderung durch den Skuleskogen Nationalpark (GPS Daten)

Meine Reiseroute

Track Höga Kusten

 

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