2015-08 S Dalarna – Fulufjället Nationalpark

Dalarna

Diesel wird knapp in dieser einsamen Gegend. Volltanken an den meist nur vorhandenen Tankautomaten klappt nicht, da per Kreditkarte immer nur ein Teilbetrag in unterschiedlicher Höhe getankt werden kann. Mal sind es 500 mal 800 Kronen, je nach Unternehmen. Eine etwas größere Häuseransammlung kündigt sich an, Pizzeria, ICA Laden, viele Loppis und eine Tankstelle. Schwungvoll fahre ich an die Säule, jedenfalls hatte ich das vor, aber ein lautes Kreischen und Scheppern lässt mich die Bremse voll durchtreten, Passanten springen wild gestikulierend, nach oben zeigend zur Seite. Da ahne ich es schon, im Rückspiegel sehe ich meine Satellitenantenne, oder das was von ihr übrig ist, auf der Straße liegen. Der Rest mit Internet LNB und Gestänge baumelt munter am Kabel zwischen Fahrerhaus und Aufbau. Ohne weitere Schäden zu verursachen, kann ich zurückfahren und die Reste abbauen. Das Wichtigste, der Schornstein steht noch und hat nichts abbekommen.

Aber warum ist überhaupt etwas passiert? Nach kurzer Suche entdecke ich das etwa 8x15cm große „Warnschild„: 3,40m Durchfahrtshöhe, oder so ähnlich. So richtig kann ich es nicht glauben, eine Tankstelle mit einem so niedrigen Dach und das in Schweden. Hier dürfen LKW Züge mit 60t Gesamtgewicht (ab 2016 sogar 64t) und einer Höhe von 4,50m fahren. Nicht zu ändern. Das Dach der Tankstelle hat eine kleine Delle davongetragen, eine freundlich lächelnde Mitarbeiterin erscheint und schreibt meine Autonummer auf, obwohl ringsherum so ungefähr 20 Überwachungskameras angebracht sind. Sie meint der Chef habe das angeordnet. Nach eingehender Inspektion hat die Tankstelle im Laufe ihrer langen Lebenszeit schon so einige Blessuren davon getragen. Auch ich dokumentiere alles, mal sehen, ob sie Streit wollen. Zum Weiterfahren ist mir die Lust vergangen und prompt bietet sich direkt am See ein schöner Platz förmlich an.

Die Sonne brennt, ein stahlblauer Himmel, satt grüne, endlose Wälder, hier und da ein brodelnder, wilder Fluss. Bilder wie aus einem Werbeprospekt und ein braunes Schild

Fulufjället Nationalpark.

Fulufjället Nationalpark

Fulufjället Nationalpark

Da muss ich hin. Es ist die südlichste Zufahrt und staubige 16 Kilometer Schotterpiste. Mercedes klappert, hustet und spuckt. Nach 10 Kilometern sehe ich von weitem schemenhaft jemanden den Daumen zum Anhalter Gruß nach oben zeigen. Nachdem sich die Staubwolken verzogen haben, auch langsames Fahren ändert da nichts, schälen sich aus dem Reststaub eine Horde wilder, braun gebrannter Wanderer mit schweren Rücksäcken. Drei Erwachsene und ein paar Teenies, ohne Smartphone und anderen digitalen Schnickschnack, den ich so durch die Gegend fahre und schleppe. Gitarren haben sie zu den schweren Rucksäcken dabei und freuen sich, einen ihre Sprache sprechenden Reisenden zu treffen. Es sind Österreicher und ein Deutscher auf dem südlichen Kungsleden, der hier in der Gegend endet, bzw. beginnt. Ihr Begehr ist eine Mitnahme nach Mora. Sie sind anscheinend etwas in Eile, vielleicht haben sie sich in der Zeit etwas verkalkuliert. Morgen hätte ich sie alle ein Stück mitnehmen können, aber nein, heute müssten sie noch in Mora sein. So ziehen sie, trotz der Absage mit glücklichen Gesichtern weiter.

Die Piste staubt und irgendwann ist auch die zu Ende. Die norwegische Grenze ist jetzt genau noch einen Kilometer entfernt. Eine vor Jahren verlassene Rangerstation mit vorgelagerter Sonnenwiese lädt mich zum Verweilen ein. In dem farblosen Holzhaus ist noch alles so, als hätte gestern hier noch jemand seinen Dienst getan. Das Bakelittelefon steht auf dem Tisch, umrahmt von Stapeln alter Telefonbücher und nebenan in der Küche wartet der Wasserkessel auf dem Holzherd auf ein zünftiges Feuer.

Leider habe ich keine Karten für dieses Gebiet und wandere einfach mal ein paar Kilometer hin und her. Es ist hier absolut einsam und die Ruhe ist ohrenbetäubend. Das lauteste Störgeräusch hier mitten in der Einsamkeit sind meine Kühlschränke, der bei Außentemperaturen um die 24 Grad schon ab und an mal ihren Dienst beflissen erledigen.

Am Rande des Nationalparks hat ein ziemlich vermummter polnischer Mitbürger, wahrscheinlich, damit ihn die fliegenden Quälgeister nicht erkennen, seine Moltebeeren Sammel-, Wasch- und Verarbeitungsstation in einem betagten Opel Zafira zum Zweck der sofortigen Weiterverarbeitung der frischen Früchte vor Ort untergebracht. Hunderte von Einweggläsern stapeln sich im Heckbereich. Auf meine Nachfrage, ja das lohne sich, momentan sind die Händlereinkaufspreise so bei 7-8 EUR/kg.

Daraufhin sammle ich mir auch eine Hand voll, um die Beere wenigstens einmal zu probieren. Sie hat einen ziemlich bitteren, trocken fruchtigen Geschmack. Eventuell lässt sich daraus Marmelade herstellen, so pur löst sie in mir nicht wahre Begeisterungstürme aus.

Weiter geht`s die unendlichen Schotterpisten, manche so schmal, dass Mercedes denkt, sie hat mal wieder zugenommen. Grenzwertig ist das Maß der Last, das sie zu tragen hat schon immer. Die Polen haben ihre Moltebeeren Verarbeitungsstrecke ein paar Kilometer weiter südlich aufgebaut, winken und verschwinden im alles bedeckenden Grau des Staubes.

Meine Reiseroute

Track Dalarna Fulufjället Nationalpark

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