2015-08 S Halland – Falkenberg

Kurz vor der Tjörnbron auf dem Weg nach Stenungsund gegenüber der kleinen Insel Björkholmen habe ich einen schönen Platz, relativ ruhig entdeckt. Timo gibt die volle Zustimmung, hier lagert immerhin so einiges was ein im Überlebenskampf ausgebildeter Straßenhund verwerten kann. Restverpackungen aus dem Hause McDonalds, Joghurtbecher mit fraglichem Inhalt, etwas mir Unbekanntes, ziemlich glibberig und schleimig von der Konsistenz, schmeckt anscheinend auch sehr lecker und natürlich die Früchte des Meeres, schon ein paar Tage in der Sonne gereift, immer mal wieder durchnässt, das Buffet, es riecht einfach himmlisch.

Rechtzeitig entdecke ich allerdings noch das Werbeschild, um was für ein Gebiet es sich bei diesem Platz handelt. Auch ohne Schwedischkenntnisse lese ich nur etwas von Skooter, Wassermoped, das impliziert Krach und Gestank und ich bin schleunigst verschwunden.

Foto
Einige Camping begeisterte lassen es sich nicht nehmen direkt an und unter der verkehrsreichen Brücke ihrem Hobby nachzugehen.

Aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Endlose 80 Suchkilometer habe ich hinter mir, immer gen Süden auf der Suche nach einem Strand mit einem schönen Platz. Dazu Meerblick, wenn möglich, und auf den Trubel einer Großstadt möchte ich auch verzichten. Viele kleine und kleinste Sträßchen schlängeln sich die Küste des Kattegat entlang. Die meisten sind kurze Stichstraßen in Privatbesitz und die Strände, die man als Strand bezeichnen kann, von Kungsbacka bis Falkenberg kann man an beiden Händen abzählen. Um diese wenigen Schönheiten, wie z.B. Björkäng oder noch schlimmer Varberg Apelviken haben sich eifrige Campingplatzunternehmen und andere Immobilienhaie gescharrt, um den Andrang an rollendem Volk und auch die Übrigen die Schönheit genießen Wollenden, in ausgerichtete Bahnen mittels zahlreichen Gebots- und Verbotsschildern zu lenken.

Campingplatz Schweden Björkäng

Campingplatz Schweden Björkäng, dicht gequetscht stehen die rollenden Heime.

Das Resultat sind kilometerlange, meist länger als der eigentliche Strand entstandene Ferienhaussiedlungen, je nach Geldbeutel einfache Papphütten bis zu luxuriösen Villen. Das rollende Volk wird etwas enger gequetscht, wenig größer als das eigentliche Fahrzeug ist da der Platz den es zu mieten gibt. Ansonsten ist hier ringsherum alles verboten Camping, Parken, Wege sind mit Schranken versperrt, Tonnagebegrenzungen, maximale Achslasten, alles was der schwedische Schilderwald zur Verfügung hat, wird kräftig genutzt.

Tatsächlich habe ich, zermürbt von der langen Suche, bereits überlegt einen Wohnmobilstellplatz oder ähnliches aufzusuchen, ins Inland zu fahren oder einen Supermarktparkplatz zu mögen. Alles wäre besser, als sich in eine Wohnmobillücke zu quetschen und vielleicht die Tür nicht mehr aufzukriegen. Doch, im Norden von Falkenberg, endlich eine wilde Brachlandschaft, gegenüber des Industriegebietes. Ein Wohnmobil Stellplatz Symbol zeigt zu einem kleinen Hafen und weiter führt eine Schotterpiste zwischen Windkraftanlagen Richtung Meer. Etwas staubig zwar, aber freier Blick hinter einer Steinmole, ich weiß, man muss nur lange genug suchen, und es war lange genug.

Falkenberg in Halland

https://de.wikipedia.org/wiki/Kattegat

Entlang des Flusses Ätran radle ich ein paar Kilometer flussaufwärts. Eine schattige Uferpromenade mit altem Baumbestand, vorbei an ein paar emsigen Fliegenfischern genieße ich hier die Ruhe abseits des Trubels. Denn der ist am heutigen Sonntag an den Hausstrand des Ortes, Skrea Strand gezogen. Der ist ist lang und breit, östlich von einer kleinen Düne begrenzt und bei heutigen Temperaturen jenseits der 25 Grad,  mit sämtlichen Einwohnern Schwedens belagert. Mit dem Rad bahne ich mir einen Weg durch Parkende, Wartende, Erzählende, Eis Essende und sich an den paar Buden drängelnde Menschenmassen. Die Düne erklommen, zeigt sich das ganze Ausmaß der Besetzung. Dicht an dicht, in einer Kakofonie aus Schreien, Jubeln, Erzählen, Misstöne von sich gebenden Musikplayern liegen die Sonnenhungrigen, Ölsardinen gleich Handtuch an Handtuch, Sonnenschirm an Sonnenschirm. Das muss ich nicht haben, da begebe ich mich lieber auf die Suche nach dem Stadtzentrum.

Ausgeschildert mit einem braunen Sehenswürdigkeitensymbol, sollte es eigentlich kein Problem sein, den Mittelpunkt der Stadt zu finden. Da rolle ich so am Busbahnhof, einer Pizzeria und einer Kirche vorbei, und wenige Kilometer später finde ich keine Schilder mehr und alles sieht auch so gar nicht nach einem Stadtzentrum aus. Also umgedreht, zweiter Versuch und ich entdecke tatsächlich einen Platz mit ein paar Schnellimbissen und einer mit Pflanzen gesäumten Sitzecke. Das muss es sein! Tatsächlich schließt sich eine Art Promenade an mit den üblichen Verdächtigen, Banken, Intersport, Pizzeria, Pizzeria, noch eine Pizzeria und einigen anderen Schnellrestaurants, die aufgrund des heutigen Sonntag, geschlossen haben. Das Ganze im Baustil der 60er und 70er Jahre, breit, rechtwinkelig, Betonklotz an Betonklotz. Vielleicht klärt mich mal jemand auf, warum in Schweden Städte nicht wie „herkömmliche“ Städte aussehen. Also mit Markt, Kirche, Brunnen, engen verwinkelten Gassen und urigen Gasthäusern. Denn weiter gibt es zu Falkenberg in Halland nichts, was es sich lohnen würde zu lesen, zu schreiben.

 

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