2015-08 S Trelleborg – Schweden, ein Fazit.

Der Morgen beginnt mit sintflutartigen Regenfällen. Der Abschied von Schweden gestaltet sich dadurch merklich leichter. Die in solchen Fällen angebrachte Autobahn ist nicht weit, meine Reisegeschwindigkeit ist erreicht, der Tempomat bei 82 km/h eingeloggt und meterlange 60 Tonnen LKW Züge ballern an meiner kleinen Mercedes vorbei, dass sie nur mit ihrem ganzen Körper vor Entsetzen hin und her schaukeln kann. Mit Mühe halte ich sie in der Spur, ein heftiger Süd-West Wind tut das Übrige. Am Nachmittag dann Trelleborg, etwas außerhalb finde ich einen beschilderten Strandparkplatz.

Wir nähern uns merklich Mecklenburg-Vorpommern. Die Verbotsschilderindustrie hat nördlich und südlich der Ostsee fruchtbaren Boden gefunden. Am Abend gesellen sich mehr und mehr Wohnmobile zu uns, ich erfahre „Hilde2548“ hat diesen „Geheimtipp“ mit Koordinaten ins Netz gepostet und so erscheint gegen 21.00 Uhr der nebenan residierende Campingplatzwart und erklärt, hier wäre kein Campingplatz, der wäre nebenan. Auf meinen Einwand, nun, mein Fahrzeug würde seinen gepflegten Rasenflächen mit ca. 8 Tonnen Gesamtgewicht und vor allem dem Gehör der übrigen zahlenden Gäste, morgens bei Abfahrt um 6.00 Uhr, vielleicht nicht so gut tun, drang so eine kleine Veränderung des Nachdenkens in sein Antlitz, und schon saß er auf seinem Elektocaddy und ward nicht mehr gesehen.

Schweden, ein Fazit.

Wer hat eigentlich die Pizzeria erfunden oder die an jeder Ecke präsenten Fast Food Restaurants, waren es die Italiener oder die Amerikaner? Ich glaube, es waren die Schweden. Denn nur so ist die immens hohe Schnellrestaurant- und Pizzeriendichte je Einwohner zu erklären, wie hier in Schweden. Faktisch überall, selbst im kleinsten Dorf, lauern sie dir auf, diese Tempel des schlechten Geschmacks. Dabei ist nichts gegen ein in Handarbeit, mit viel Liebe zum Detail hergestelltes Fladenbrot einzuwenden, aber mit Verlaub, hier in Schweden kommt das meiste fertig aus der Tüte, tiefgefroren. Aber das war früher auch schon so.

In den letzten Jahren hat sich das Land verändert, keine Frage. Es ist nicht mehr das so saubere, piekfeine, etepetete Land, in dem man sich nicht getraut hat, sich zum Pinkeln an einen Baum zu stellen. Überall liegt mittlerweile etwas der Abfallprodukte unserer Konsumgesellschaft herum. Der Schwede ist voluminöser geworden, nicht mehr so der braungebrannte, blondgelockte, super schlanke Superschwede, nein McD und Co haben ihn in andere Proportionen wachsen lassen. Sie sind auch nicht mehr so zurückhaltend wie vor Jahren. Überall habe ich nette Menschen kennengelernt, viele Gespräche geführt und und war immer willkommen.

Die Industrielandschaft hält viele verlassene Ruinen zum Erkunden bereit. Sie sind die Zeugen, dass es das vielgepriesene, hochgelobte Wirtschaftswachstum ohne Ende doch nicht gibt. Viele meiner Kollegen, also Ausländer, kurz oder länger hier lebend, tummeln sich auf den Straßen und bringen ihre Kultur mit. Dazu gehört auch, andere Mitmenschen um eine mildtätige Gabe zu bitten.

Das einzige Unveränderte ist die alles überdauernde, grandiose Natur dieses Landes. Die endlosen Wälder, kristallklaren Seen, die schwarzen wilden Flüsse und alles überdeckt von einem azurnen Himmel, den es in dieser Farbe wohl nur im Norden so gibt.

Alles in allem ist mir das Land sympathischer geworden.
Auf ein Wiedersehen und Danke für die schöne Zeit in Schweden.

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