2015-09 D – Der Rhein, viel ist nicht mehr von ihm übrig.

Elsass
„Petite Camarque“

Ein Fluss wird geteilt oder der Rhein, viel ist nicht mehr von ihm übrig.

Die Natur ist immer der Gewinner, aber der Mensch maßt sich an, in seinem alles übersteigenden Größenwahn, gottgleich über die Geschicke und Formierung unserer Umwelt, unseres Planeten, entscheiden zu können.

Hier im Dreyeckland, an den Grenzen zur Schweiz, Frankreich und Deutschland verkauft er dem Besucher dieses über allem stehen, als technischen Fortschritt, Pioniertum und Erfindergeist. Denn hier hat der Mensch einen der größten Flüsse Europas in drei Teile separiert. Wie es sich gehört, wird natürlich gerecht geteilt 2/3 für den Menschen und 1/3 für die Natur. So gesehen stellt dieses Verhältnis deutlich zur Schau, wie sich der Mensch selbst einordnet.

Der Rhein hat es sich in mühevoller Arbeit in Jahrtausenden in seinem breitem Bett in den Bergen bequem gemacht.
Diese gewaltige Anstrengung wurde ihm zum Verhängnis, denn vor ein paar Jahren, begann der Mensch die Erde zu besiedeln. Das hat er aber schön gemacht, der Rhein, vielleicht nicht so ganz perfekt für unsere Bedürfnisse, aber dazu sind wir jetzt da. So wurde sein Mammutwerk in nur wenigen Jahrzehnten vom Menschen in eine für ihn brauchbarere Form gebracht. Der Fluss wurde in Betonformen geleitet, durch eiserne Tore und rotierende Flügel gezwängt, in riesigen Betonwannen hoch und herunter gefahren und ein großer Teil mit asphaltenen Deckeln versehen, auf denen der Mensch in seiner Unrast die wenige Zeit auf diesem Planeten für ihn so effektiv wie möglich im Stau verbringen kann.

Auch seine Ureinwohner hat es hart getroffen. Der Lachs zum Beispiel ist noch vor Jahrhunderten zu hunderttausenden den Fluss in seine angestammten Laichplätzen emporgezogen. So viele, dass es einen königlichen Erlaß gab, der den Meistern verbot, ihren Gesellen täglich Lachs zum Essen zu servieren.

Dann 1956 wurde festgestellt, das der Lachs im Rhein komplett ausgestorben ist. Heute rühmt man sich, dass in den vergangenen Jahren bereits wieder über 400 Lachse aus Zuchtbeständen in den Fluss zurückgekehrt seinen. Vierhundert, wahrhaftige eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, dass diese 400 aus hunderttausenden kleinen Zuchtlachsen, allein 300.000 aus der „Petite Camarque“ herangezogen wurden. Ein tolles Verhältnis.

Das monumentale Gesamtwerk soll dem Besucher mit vielen bunten Schautafeln, einem beeindruckend starrenden Fuchs vor den Schleusentoren in einer verschwommenen Nachtszenerie und vielen auf Großformat abgelichteten, munter umher flatternden Gefiedervolk schmackhaft gemacht werden.

Andere Werke zeigen einen schnauzbärtigen, Baskenmütze tragenden und Funkgerät haltenden Franzosen, den Beruf des Schleusenwärters preisend. Die Botschaft: hier entstehen wichtige Arbeitsplätze. Als ob da noch jemand einen gewaltigen Schleppkahn und die Tore per akustischen Befehlen steuern würde.

Nun immerhin existiert er noch, der sogenannte Altrhein. Um die schmale Gasse um ihn herum hat sich ein richtiger Urwald entwickelt. In Kaskaden stürzt er hier an der Isteiner Schwelle herunter, Kiesstrände mit Reihern und Schwänen, im Morgengrauen sah ich sogar zwei Eisvögel.

Natürlich lässt der Mensch auch diesen Urwuchs nicht so ganz uneigennützig zu. Denn wäre er nicht da, würde die Natur mit ihrem Rhein in einem Frühjahr nach der Schneeschmelze oder nach ergiebigen heftigen Regenfällen den Menschen schon zeigen, wer hier der Herr der Erde ist. Mit gewaltiger, urwüchsiger Kraft würde er in wenigen Sekunden alles vom Menschen Geschaffene in wenigen Sekunden vom Erdboden fegen und die Menschen das Fürchten lehren.

 

Rhein Impressionen

Meine Reiseroute

Weil - Rheininsel

Hier eine kurze Wanderung als GPS Track zum Altrhein.

2 thoughts on “2015-09 D – Der Rhein, viel ist nicht mehr von ihm übrig.”

  1. Corinna says:

    Auf den Spuren von Goethe !

  2. marco_be says:

    😉

    Zu der Zeit sah es hier noch etwas anders aus. Viele Grüße an euch alle.

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