2015-09 D Ein Ölmulti gibt sich geschlagen

Heute könnt ihr lesen wie am Bodensee in den frühen Morgenstunden die Äpfel mit Sprühanhängern extra beduscht werden und ich beinahe den größten Konzern der Welt (2012) Royal Dutch Shell in den Konkurs getrieben habe.

Mein Bierlager.

Mein Bierlager.

Hier in der Bodenseeregion werden meine Lager mit den Bierzutaten für die kommenden Monate befüllt. Alles wird verstaut und inventarisiert. Mercedes ist voll ausgeladen, nichts passt mehr zusätzlich.

Es ist eine sehr laute und fruchtbare Gegend. Überall sind randvoll mit Lastkraftwagen gefüllte Bundesstraßen und auch abseits bewegen sich endlose Fahrzeugschlangen durch die Ost- und Hopfenplantagen. Im Morgengrauen schieben sich kleine laute Traktoren mit tonnenförmigen Anhängern durch die dichten Spaliere der Früchte und besprühen diese mit einer kaskadenförmig in den Himmel schießenden Flüssigkeit. Das sieht nicht gut aus. Kurz zuvor kam mir noch der Gedanke bei einer so richtig kräftigen, die Hände in die Hüften gestemmten, mit Kopftuch und einem mütterlichen freundlichen Gesicht ausgestatteten Bäuerin, einen Sack Äpfel zu erwerben. Den Gedanken habe ich angesichts der morgendlichen Wellnessanwendung in der Plantage dann schnell wieder verworfen.

Die Tankstellen an meiner Route sind unverständlicherweise gen Westen fahrend dünn gesät und über den Wenigen prangt das gelbe Bild einer stilisierten Jakobsmuschel, das Royal Dutch Shell-Logo.

Shell Tankstelle, hier gibt es auch Wasser.

Shell Tankstelle, hier gibt es auch Wasser.

Vielleicht soll das die Naturverbundenheit des Ölmultis ausdrücken, keine Ahnung. Der Zeiger steht schon geraume Zeit kurz vor null und so rolle ich einen gelben Muschelport an. Ein emsiger Mitarbeiter spurtet auf mich zu und fragt in einem ziemlich schwer verständlichen Dialekt nach meinem Wunsch. Diesel soll es sein, vielleicht etwas Gas und Wasser. Alles kein Problem, rechts sind die LKW Säulen, allerdings müsse ich einen Ausweis oder eine Tankkarte hinterlegen. Zu viele wären schon ohne Zahlung entwichen. Andere Länder, andere Sitten, denke ich, und hinterlege meine abgelaufene, nur zu diesem Zweck mitgeführte EC Karte als Sicherheit, man kann nie vorsichtig genug sein in unsicheren Ländern.

Im Tausch gegen 120 EUR in bar, erhalte ich meine Karte zurück und frage nach der Wassertankmöglichkeit. Gleich um die Ecke ist der Wasserhahn und ich bugsiere das Fahrzeug direkt vor die Zapfstelle. Perfekt, alles ist schon mit einem „Gardena“ kompatiblen Anschluss ausgerüstet, das Wasser fließt. Da die Prozedur immer etwas dauert, begebe ich mich in das Innere des Fahrzeuges und gebe Timo etwas Streicheleinheiten, er ist etwas durcheinander durch die vielen Fahrkilometer der letzten Tage.

Aufgeregtes Geschrei dringt durch den Verkehrslärm zu mir in meine Wohnung. Vor der Tür hat sich ein Teil der Tankstellenbelegschaft versammelt und unterstellt mir, ich würde Wasser stehlen, bzw. sollte ich erklären was ich hier tue. Der Wasserhahn läuft und gemächlich erkläre ich, dass mir auf Nachfrage die Möglichkeit Wasser zu tanken, eingeräumt wurde. Nun, das ginge so nicht, der betreffende Mitarbeiter wisse nicht Bescheid, denn die Abwasserkosten wären enorm und müssten für das Frischwasser auch bezahlt werden. Je 50 Liter Wasser würden mir somit mit 5,00 EUR in Rechnung gestellt. Mittlerweile hatte der Tankwart die Wasserzufuhr unterbrochen, um einen vollkommen Ruin des Tankstellenunternehmens abzuwenden.
Folgend erkläre ich den aufgebrachten Mitarbeitern die Preissituation, die Abrechnungsmethodik und den Unterschied zwischen m3 und Litern in einfachen Worten mit einer noch einfacheren Rechenaufgabe.

Baden-Württemberg gehört mit Abstand nicht zu den teuersten Gemeinden in Deutschland. Wir rechnen mit dem bundesdeutschen Durchschnitt aus dem Jahre 2010.
Quelle: Statista

Demnach kostete 1m3, oder 1000 Liter = 5,51 EUR (Trink- und Abwasser incl. Grundgebühren).
Das wären dann pro Liter = 0,00551 EUR = 0,276 EUR/50 Liter.

Die Tankstelle möchte mir 5,00 EUR/50 Liter berechnen für einen Materialeinsatz von gerade einmal 0,276 EUR. Das ist schon eine kräftige Gewinnspanne, die auch die Umlagen für Personal etc. wohl nicht ganz rechtfertigen. Im Übrigen müsste ich ziemlich viele Liter Wasser tanken, um den Shell Konzern bei einem Gewinn vor Steuern im Jahre 2014 i.H.v. 28.314 in den Ruin zu treiben. Einen kleinen, vielleicht nicht ganz unwichtigen Zusatz bei der Zahl habe ich noch vergessen. Das sind keine 28.314 EUR, sondern Dollar und zwar in Mio Dollar, oder eine andere Zahl benutzend, sind das rund 28,3 Milliarden Dollar und nicht in der Geschichte des Konzerns seit 1833, sondern in einem Jahr!
Quelle: Wallstreet Online

Allerdings glaube ich nicht, dass mir irgendwo jemand so große Behälter verkaufen kann, um das nötige Wasser zu bunkern.

Alle Fakten habe ich der Tankstellenbelegschaft nicht unterbreiten können, da ich sie erst recherchieren musste. Aber sie haben verstanden, das der Materialeinsatz, trotz zu zahlenden Abwassergebühren äußerst gering ist und ließen mich unverrichteter Dinge mit den Worten ziehen. Nun gut, das wäre dann schon mit dem Diesel abgetan.

Typisch deutsch!

Typisch deutsch!

Kunst unter der Brücke.

Kunst unter der Brücke.

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