2015-09 D Spalt und Oettingen

Spalt

Deutschland Spalt

Deutschland Spalt

Für einen Hobbybrauer ist es ein unbedingtes Muss auch Orte anzufahren, wenn man denn schon in der Gegend ist, die wie der Ort Spalt, Zutaten für das Köstlichste alles Getränke anbauen und verarbeiten. In diesem Fall, die meisten werden es geahnt haben, ist es der Hopfen.

Eigentlich gibt es hier, so zirka zwei Kilometer oberhalb des Ortes auf einer schönen Parkwiese, gar keine so richtige Straße. Eine Straße ist es schon, sogar asphaltiert, aber der Zielort des reichlich Hin und Her pulsierenden Abendverkehrs ist mir nicht so ganz klar, denn es gibt keine Siedlung oder ähnliches. So begeben wir uns auf eine Entdeckungswanderung, um das Ziel der Fahrenden zu suchen. Wenige hundert Meter weiter werden wir fündig, eine Sportanlage mit Spielplatz in näherer Umgebung ist anscheinend das Ziel der Ausflügler. Junge Mütter wuchten ihre massiven Wagen für das ganz junge Volk aus den Heckgaragen der Großkarossen und chauffieren ihren Nachwuchs immer schön um den Spielplatz. Der Rest der Motorfahrzeuge parkt in langer Reihe um das Grün der Rasenanlage, ihre Insassen bewegen sich stretchend und joggend um das Grün oder sitzen einfach nur meditierend da. Der Rest verschwindet mit den hergefahrenen Hunden im angrenzenden Wald.

Da bin ich etwas verwirrt, und mache mir so meine Gedanken auf den folgenden Wanderkilometern rund um Spalt. Das Örtchen ist umgeben von unzähligen Wander-, Fahrrad-, Jogging-, Mountain Bike Down- und Uphill-Wegen. Wahrscheinlich könnte man sogar mit einem Kanu rund um den Ort schippern. Warum fährt man dann mit einer spritfressenden, stinkenden und lärmproduzierenden Blechbüchse zwei bis drei Kilometer, je nachdem wo man in Spalt wohnt, zu einem Sportplatz und läuft dort stupide Runde um Runde, lädt mit viel Aufwand die Kinderkarosse in die Eigene um dort um den Spielplatz zu laufen? 1a Wege abseits der Autostrassen führen sowieso dort hin. Das mag verstehen wer will, ich nicht.

Einige denken aber auch in meine Richtung, denn ich treffe hier und da, zumindest in näherer Entfernung des Ortes den einen oder anderen bei seinem Auslauf. Meine kleine Wanderung führt mich im Norden um den Ort durch eine dichte Waldlandschaft, es ist herrlich ruhig, die Waldwege dämpfen die Schritte.

Der Ort Spalt ist ein kleiner idyllischer, wie ich ihn in Schweden immer vermisst habe. Viele alte, aufwendig restaurierte Häuser, kleine Gaststätten, eine Unmenge an Bäckereien mit Cafés und Eisdielen, eine Art Marktplatz, sogar eine Brauerei und ein Hopfenmuseum. Leider ist fast alles geschlossen, außer ein paar Bäckereien und der Edeka Markt. Man kann nicht alles haben. Es ist Anfang September und 17.00 Uhr, die Saison ist vorbei. Im Heck meines Wagens, dem sogenannten Braukeller wartet ein Samba Pale Ale von meinem Freund und ehemaligen „Brau-Azubi“ JJ liebevoll zubereitet. Allerlei Getreidesorten sind in dieser Köstlichkeit verbraut, von Haferflocken bis Polenta. Das deutsche Reinheitsgebot würde sich selbst zu Recyclingpapier verarbeiten. Dieses Getränk entschädigt für alles, es schmeckt himmlisch.

Oettingen

Auf kleinen Straßen geht es weiter Richtung Bodensee, dort soll mein Warenlager im Braukeller mit allerlei Zutaten zum Bierbrauen bestückt werden. Die Landschaft sieht durch die heute einmal strahlende Sonne freundlich aus, ein Kreisverkehr stellt sich mir in den Weg mit einer gigantisch großen, kupfern glänzenden Haube. Es kann sich nur um die Abdeckung eines Sudkessels handeln und nach der zweiten Runde um den Kreisverkehr fällt es mir wie Schuppen von den Augen, der Ortsname, ja richtig Oettingen. Was lese ich da auf dem glänzenden Monstrum, Original Oettinger.

Oettingen Sudkessel Abdeckung

Oettingen Sudkessel Abdeckung

Original Oettinger
Das Symbol für den schlechten Geschmack, das Aushängeschild für den Niedergang der deutschen Braukultur hat sich hier unter einer in der Sonne glänzenden Haube versteckt. Der Ort wirkt einladend freundlich mit seiner Fußgängerzone und seiner piekfeinen, sauberen Innenstadt.

Aber hier geht es nicht um Geschmack und Braukunst, hier geht es um schiere Masse.
In diesem Ort wird ein alkoholisches Getränk produziert, das mit Bier nichts zu tun hat. Trotzdem hatte Oettinger einen Bierabsatz im Jahr 2014 mit 680 Millionen Liter Bier, das im Inland verkauft wurde. Das sind 1,36 Milliarden Flaschen Bier oder 68 Millionen 20er Kisten Bier. Das ist eine gewaltige Menge.
Jeder Deutsche, vom Säugling bis zur Oma, hat im Jahr 2014 –> 17 Flaschen Oettinger getrunken, unvorstellbar.
Glücklicherweise hat im Jahr 2014 aber jeder Deutsche 214 Flaschen insgesamt an Bier konsumiert, somit entfällt auf das Oettinger nur ein Anteil von 7,9%. Das beruhigt mich dann doch wieder etwas.
Quelle: Statista

Am Stadtrand sieht man eine Produktionsanlage der Oettinger Brauerei. Riesige Malzsilos und endlose Lagerhallen mit Verladerampen in denen das blau etikettierte alkoholische Getränk ausgestoßen wird.
Über Geschmack lässt sich natürlich streiten und das ist auch gut so. Probiert es einfach, sagt aber nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Es ist eben nicht alles Gold, was kupfern glänzt.

 

Oettingen Kreisverkehr

Oettingen Kreisverkehr

Oettinger Brauerei

Oettinger Brauerei

Meine Reiseroute

Spalt - Wilhelmsdorf

Spalt – Wilhelmsdorf

5 thoughts on “2015-09 D Spalt und Oettingen”

  1. Corinna says:

    Also ich habe noch nie ein Oettinger getrunken!

  2. marco_be says:

    Wahrscheinlich sind dir dann viele Kopfschmerzen erspart geblieben, viele Grüße.

  3. Udo van Camper says:

    Hallo Marco,
    nach meiner Erfahrung sorgt die Dosis für Kopfschmerzen und nicht die Marke. 🙂
    Weiterhin gute Reise!
    Udo

    1. marco_be says:

      Sicherlich die Menge macht`s. 😉

      Die eigentliche Ursache sind aber die sogenannten Fuselöle, die bei der Gärung entstehen. Es gibt einen Test und bei dem schneidet gerade das Oettinger nicht so gut ab:
      http://www.biergericht.de/de/jokes/fuselalkohole_im_bier.htm

      Abgebaut werden die Fuselöle durch eine lange Lagerung und das bringt den Industriebrauern natürlich kein Geld.

      1. Udo van Camper says:

        Aha! Bekomme ich deshalb bei Weizenbier, egal welche Marke, schon nach zwei Glas einen Brumschädel, weil da zuviele Fuselöle drin sind? 🙁 Das wäre doch mal eine Erklärung! 🙂

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