2015-09 D Wilhelmsdorf Naturschutzzentrum

Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf

Die Grenze zu Baden-Württemberg habe ich passiert und die Besiedlung mit meinen Mitmenschen erreicht in der Fläche gesehen schon Ausmaße, es wird eng um mich herum. Jede noch so kleine Ansiedlung verfügt über eine eigene Industrielandschaft, Autos rasen wie besessen über die vielen kurvigen Landstraßen. Extensive Landwirtschaft, eintönige Maisfelder, riesige jaulende Traktoren trüben die Wahrnehmung.

Zu meiner Überraschung entdecke ich ein Schild Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf. Ein Parkplatz, selbst für Busse ist auch vorhanden, da stört das 6t Schild der Zufahrtsstraße auch nicht. Kaum habe ich das Fahrzeug in die richtige Position gebracht, erscheint eine freundliche Mitarbeiterin und fragt nach meinem Begehr. Ob ich denn hier auch übernachten wollte. Ich bejahe dies und sie erklärt, dass das generell auch kein Problem wäre, allerdings werden für den kommenden Morgen drei Reisebusse mit 100 Personen erwartet und die Kapazität des kleinen Parkplatzes erschöpft. Nun so klein erschien mir der Parkplatz gar nicht, aber nebenan wenige Meter weiter gäbe es noch einen Waldparkplatz, dort könne ich in Ruhe die Nacht, den Tag und was auch immer verbringen. Am nächsten Morgen kamen dann zwei Reisebusse mit vielleicht 50 Personen, die sich dem multimedialen Vergnügen des Naturschutzes hingaben. Wahrscheinlich fand die Mitarbeiterin meinen Wagen nicht so passend zwischen all den neuen Wohnschachteln auf der einen und ihrem piekfeinen neuen Informationszentrum auf der anderen Seite. Aber ich wurde freundlich empfangen und willkommen geheißen.

Die große ausgeschilderte Runde verspricht eine Wanderung von zirka zwei Stunden.
Natürlich ist das Pfrunger-Burgweiler Ried sehr viel größer, als das hier als Naturschutzzone vermarktete Schaugebiet. Die meist mit Holzschnitzeln belegten sauberen Wege schlängeln sich um ein paar ehemalige Torfstiche, die nun mit Wasser gefüllt sind. Viele Schautafeln erklären, wer hier früher gearbeitet hat und jetzt hier bis in den Mikrokosmos hinein wohnt. Vielleicht liegt es an dem sehr trüben Wetter und den Temperaturen im einstelligen Bereich, aber so richtig will kein Gefallen aufkommen. Vielleicht bin ich durch Schweden etwas verwöhnt und habe hier tatsächlich eine ursprüngliche Naturlandschaft erwartet. Aber letztendlich hat der Mensch diese Landschaft nach seinem Gusto über Jahrhunderten geformt und auch heute muss er so ein wenig der Natur schon zeigen, wie sie auszusehen hat.

Alles erinnert mehr oder weniger an eine Art Museum des früheren Torfbergbaus mit einem angrenzenden botanischen Garten. Der große mäandernde Rundweg hat vielleicht eine Länge von 2-3 Kilometern und somit ist das gesamte Gebiet vielleicht so groß wie die Parkplätze eines schwedischen Nationalparks. Meterlange Holzplankenwege mit „Ausweichnischen“ führen durch den westlichen Teil des Waldes, sauber mit der Motorsense breit flächig beräumt. Zahlreiche Holzbänke, Absperrungen und Farbtafeln säumen den Weg. Muss man wirklich alle paar Meter ein Schild aufstellen, das Hunde an der Leine zu führen sind? Da fragt man sich wirklich, was soll das und was hat das mit Naturschutz zu tun. Meinen eigenen Wanderweg habe ich um ein paar Meter in die angrenzenden Wiesenlandschaften erweitert, damit Timo nicht ganz enttäuscht ist.

Meine Reiseroute

Wilhelmsdorf - Kreuzwegsattel

Wilhelmsdorf – Kreuzwegsattel

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