2015-09 D Eine Reise durch Oberfranken

Richtung Bayern

Nichts ist schlimmer als eine Autobahnreise durch Deutschland. Heute ist wieder einmal so ein Tag. Es ist glücklicherweise Samstag und das größte Warenlager der Welt parkt recht und links zu Hunderten auf verschmutzten, stinkenden Park- und Rastplätzen. Trotzdem ist die A9 gen Süden 3-spurig voll besetzt. Der Lärm ist ohrenbetäubend, die Motoren dröhnen, die Fahrer sind genervt. Hinter Leipzig ein 18 km Stau, mir reicht’s. Runter von der Bahn und mit 60 gemütlichen Stundenkilometern schaukle ich durch das südliche Thüringen Richtung Oberfranken, denn dort hin habe ich meinen Windgenerator verkauft, es liegt auf meinem Weg und die Ware wird ausgeliefert.

Spätestens nach der dritten Umleitung wegen Vollsperrung irgendeiner Straße in irgendeinem Ort in Richtung Kronach ist genug. Ein ausgeschilderter Wanderparkplatz ohne Wanderwege mit Aussicht über den Thüringer Wald und sich gegenseitig die Berge hochjagenden Ureinwohnern wird mein Zuhause für eine kurze Zeit. Nichts übertönt das Brummen und Summen in meinen lärmsmogbelasteten Ohren. Timo liegt da, als hätte ihn jemand verprügelt und in gewissem Sinn haben wir das auch.

Ein Temperatursturz weckt mich bereits in der unvollendeten Nacht. Die Sommerdecke und Innentemperaturen von 12 Grad lassen die Kälte bis ins Mark dringen. Bei diesen Temperaturen stellt auch der bereits vierte Außentemperaturfühler seine Dienste ein. Auch ohne Messinstrument, es ist noch nicht glatt auf der Asphaltpiste, aber viel fehlt nicht. Trübe Gedanken versucht ein eisiger, nasser Westwind zurück ins Gehirn zu treiben. Die Landschaft ist grau in grau, aber der nebenan dahin rauschende Rodach und oberhalb der Niederung wachende, Jahrhunderte alte Eichenwälder lassen der Fantasie freien Lauf, wie diese grandiose Landschaft in Farbe aussehen könnte.

Um 20:05 Uhr steige ich aus dem Fahrzeug, um ein natürliches Bedürfnis mit der Natur zu teilen und wäre bei dem Vorhaben fast, die nicht mehr zu erkennende Treppe hinunter gestürzt; es ist tatsächlich dunkel, nicht schummerig, nein es ist stockfinster.

Die Tage vergehen wie im Flug und überall erkenne ich die Zeichen der Natur. Schwärme von Gänsen ziehen in V-Formationen den trüben Himmel entlang. Die Äcker liegen brach im grauen Morgen. Es wird tatsächlich Herbst. In den letzten Tagen bin ich viele Kilometer gen Süden gefahren. Da bemerkt man zu dieser Jahreszeit schon eine deutliche Veränderung. Meine alte Weisheit stimmt noch immer: Wenn es Zeit ist, am Morgen aufzustehen und es ist noch dunkel, die Schiffsluke im Schlafbereich innen aussieht wie die Decke einer Tropfsteinhöhle, aufgrund des Kondenswassers, der Ofen täglich nicht nur am Abend angeheizt werden muss, dann bin ich in der falschen Region zur falschen Zeit und es heißt trockenere, wärmere, lebensfreundlichere Gegenden aufzusuchen.

Oberfranken in Bayern

Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der Welt grauere Landschaften gibt. Einer dick vermummten Oberfrankin begegne ich, „esch doas an Buam o Madle“ Da muss ich erst einmal darüber nachdenken. Aus gewohnter Reaktion eines Reisenden erst einmal eine Nachfrage: „I’m sorry, I don’t speak … “ Hmm, was denn nun, immerhin bin in Deutschland! Und, hochdeutsch wird natürlich verstanden und gemeint ist der Timo. Eine freundliche Hundebesitzerin wollte das Geschlecht, ab es eventuell irgendwelche Kampfhandlungen oder einer anderweitig unzüchtigen Begegnung mit ihrer vierbeinigen Begleitung geben könnte, feststellen. So richtig war mir ihre Besorgnis, da ich aus dem „alle Hunde frei laufenden Grunewald“ kommend, nicht so ganz klar. Zumal des Timos Geschlecht, eigentlich ziemlich eindeutig und mittlerweile auch stolz von ihm präsentiert wird, er ist ein Spanier.   😉

Heute teste ich die „neue“ Einstellung in meinem elektronischen Wegweiser: Autobahn vermeiden.

Das Ganze ist etwas verbesserungswürdig, da mir die Verkehrsraumplaner (oder wie die heißen) der Ordnungsämter so diverse Hindernisse in den Weg geräumt haben. Unter anderem sind da schon einmal komplette Innenstädte oder -dörfer mit einer Komplettsperrung ausgerüstet und die überregionale Umleitung um diese Häuseransammlung beträgt locker 30 Kilometer. Das ist aber lange nicht alles. Bahnunterführungen werden gerne einmal mit 3,20 m Höhe angeben, obwohl da ein 3,50 m in der Höhe messendes Fahrzeug locker durchpasst und auch die maximalen Tonnage und Achslasten werden zum Unwohl des Reisenden gerne auf rot umrandete Schilder gedruckt.

Mein Fazit des ersten Tages ohne Autobahn:
Es ist herrlich, Deutschland zeigt sich von einer vollkommen unerwarteten Seite, vielen kleinen Straßen folge ich, rechts und links immer ein Plätzchen mit Aussicht, kleine Dörfer, sich die Köpfe verrenkende Anwohner blicken mir nach, aber du brauchst viel Zeit und die habe ich.

Änderungen in der Strategie:
Überregionale Umleitungen werden ignoriert, im Zweifelsfall bis zur Sperrung vorfahren und lokale Umleitungen, wenn überhaupt nötig, benutzen. Große Städte, wie heute Nürnberg, ohne Autobahn zu queren ist mehr stressiger, als kurz die Autobahn zu benutzen. Es ist eine aufwendigere Routenplanung, als die des Standard Navi erforderlich.

Meine Reiseroute

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