2015-04 RO-HU-SK-CZ-D Rückreise

Die Rückreise geht nun nach kurzfristigem Entschluss doch etwas schneller als ursprünglich geplant. Da nervt etwas in mir, eigentlich weiß ich, dass nichts ist, doch leider bin ich noch nicht so stark die Symptome und vor allem die Angst zu beseitigen. Also hat das Ego gewonnen und ich fahre.

Normalerweise fahre ich immer mautfreie Strecken, wenn man mich nicht überlistet. Nun soll es aber etwas schneller gehen, doch vorerst möchte ich mir das jonglieren mit den Maut Geräten à la GoBox etc. nicht antun und versuche erst einmal die kostenlose Variante. Hier einmal ein kurzer Auszug aus den Vorschriften der einzelnen Länder, die Sache spricht für sich. Gefahren wird mit einem Wohnmobil > 3,5t, darunter ist es relativ einfach, in den meisten Fällen reicht eine Vignette. Aber wer hat schon ein 3,5t Wohnmobil?

Rumänien
– obligatorisch für alle Straßen
3,00 EUR für eine Woche grenzenloses Fahren mit dem Wohnmobil.

Ungarn
– nur Autobahnen
bis 7,5t geht das wohl mit einer Vignette, ein Tag ca. 10,00 EUR, eine Woche ca. 26,00 EUR, > 7,5t ???, man benötigt auch eine Art GoBox – ich versuche es erst einmal ohne und das klappt ganz gut bis auf einen ca. 25 km langen Flickenteppich.

Slowakei
– viele Überlandstraßen und Autobahnen
erst einmal heißt es:
Fahrzeuge ab 3,5t unterliegen der streckenbezogenen Maut mit elektronischem Sender. Die Maut bemisst sich nach Strecke, Fahrzeugklasse, Achsenzahl und Abgasnorm. So zahlen dann Reisemobile zwischen 6,3 und 9,3 Cent/km. Toll!

Von Kosten und auch Zeit das tolle Gerät, in Gebrauch zu nehmen spricht aber niemand. In der Praxis sah das dann so aus. Vom Grenzübergang in Komarno bin ich erst einmal Richtung Bratislava gefahren und habe so sporadisch an mindestens vier Tankstellen nach so einer GoBox (myto) gefragt und keiner hatte ein solches Gerät im Angebot. An dieser bestimmt über 100 km langen Strecke gibt es genau drei Stationen, die in einer ganz tollen Karte, sogar mit Koordinaten aufgelistet werden. Aber der interessierte Leser wird es wahrscheinlich vermuten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine solche Karte aber nicht. Letztendlich bin ich dann in Bratislava auf die Autobahn gefahren, anders ging es auch nicht und an der ersten Slovnaft Tankstelle wurde ich fündig. Der Tankwart befragte den Reisenden noch einmal mit durchdringendem Blick, ob es wirklich so ein Gerät sein sollte. Mittlerweile weiß ich natürlich warum, es war sein erster Buchungsvorgang.
Schon nach einer dreiviertel Stunde und sechs DIN A4 Seiten zuzüglich der dazugehörigen Buchungsbelege und 100,00 EUR (50 EUR Pfand und 50 EUR Mindestaufladung) wähnte ich mich im Besitz des elektronischen Spielzeugs.
Flugs während des Auffahrens auf die nun genehmigte Autobahn steckte ich den wackeligen Zigarettenanzünderstecker in die dafür vorgesehene Zigarettenanzünderbuchse, da das Gerät laut piepsend aufgrund fehlender Energieversorgung den Dienst verweigern wollte. Anscheinend war die Zigarettenanzünderbuchse nicht ganz kompatibel mit der roten Führungsisolierung des Zigarettenanzündersteckers der myto Box. Jedenfalls gab es ein kurzes elektronisches Knistern, es roch leicht gummiert, verbrannt und das war es mit der Stromzuführung. Nun, das Gerät blinkte trotzdem grün und ich fuhr weiter.
Nach wenigen Kilometern passierte ich die Grenze zur Tschechischen Republik. Schon stand dort ein Container mit einem Schild Maut und Vignetten, innen ein übel gelaunter Sachbearbeiter und erklärte mit einem verbissenen Gesicht, hier wäre ich in der tschechischen Republik und das slowakische Gerät könnte ich nur auf der slowakischen Seite abgeben.
Bei der Gelegenheit nahm ich dann gleich eine tschechische Mautbox im Tausch gegen 1550 CZK und eine Aufladung in Höhe von 1220 CZK mit.
Der Weg zurück zur fünf Kilometer entfernten slowakischen Vignettenstation war nicht so ganz einfach, da mittlerweile mein Navigator mangels Strom aus der defekten Zigarettenanzünderbuchse den Dienst eingestellt hatte. Aber zwei freundliche tschechische Polizisten wiesen mir den Weg durch gefühlte 593 LKW Sattelzüge. Dort angekommen dauerte es nur wenige 10 Minuten um die Box zurückzugeben und der Bürokratie gerecht zu werden. Anstandslos bekam ich die 50,00 EUR Deposit und weitere 43,87 EUR in bar zurück.
Diese ganze Prozedur hat doch tatsächlich 6,13 in die Taschen der Slowakischen Republik gespült, herzlichen Glückwunsch!

Tschechische Republik
– nur Autobahnen

Eine tschechische Autobahn, hier die D1 Brno nach Prag als Autobahn zu bezeichnen, spottet schon jeder Beschreibung. Schon die Wikinger bauten ihre Langschiffe in Klinkerbauweise, wobei die Beplankung überlappend angebracht wurde. So oder ähnlich müssen tschechische Straßenbauer bei der Verlegung der Betonplatten vorgegangen sein. Es ist nicht vorstellbar und auch in der Praxis nicht realisierbar mit einem Betonfertiger die Überlappung der Stöße auszuführen. Immer schön lappt eine Platte die andere über, damit Ladung oder die Passagiere so richtig schön zusammengerüttelt werden und nicht während der Fahrt verrutschen, Anders kann ich mir den Zustand der „Autobahn“ nicht erklären. Tschechische oder auch die schlimmsten aller Raser, die Rumänen Trucker brettern über die Holperpiste das die Achsen nur so springen, immer nach dem Motto, je schneller, desto schneller ist alles vorbei.
Einige Kilometer vor Prag war das Maß dann voll und ich lasse die Autobahn, Autobahn sein und fahre auf der Landstraße weiter, die im Übrigen für LKW > 7,5 manchmal auch > 6,0t gesperrt ist. Hier ist es deutlich ruhiger und in einem kleinen Waldstück finde ich einen ruhigen, hundetauglichen Übernachtungsplatz.
Am nächsten Tag der übliche ein Stunden Stau in Prag und dann wird die Piste tatsächlich besser, die nicht mehr existente Grenze ist schnell überfahren und schon stehe ich auf deutschem Boden mit der nun nicht mehr benötigten tschechischen Maut Box. Wohin nun damit? Ein freundlicher Autobahnpolizist meinte, die Box müsse ich auf der anderen Seite an der tschechischen Vignettenstation abgeben, und im gleichen Atemzug: “aber nicht, dass sie hier quer über die Autobahn laufen, sie müssen mit ihrem Fahrzeug schon noch eine Runde fahren, denn bis zur ersten Abfahrt auf tschechischer Seite ist die Autobahn mautfrei”. Nun die “Runde” war gerade einmal 22 km lang und nach einem halbstündigen Aufenthalt an der Vignettenstation, drei Schalter, davon zwei nur für PKWs, allerdings ohne Kundschaft, am LKW Schalter standen vier Trucker vor mir, und rund 35,00 EUR ärmer, hatte ich die gesamte Prozedur nach knapp einer Stunde überstanden.

Fazit:
– Rumänien ohne Probleme
– Ungarn ohne Maut klappt gut
– Slowakei – am besten umfahren, praktisch alle Straßen sind ab 3,5t gebührenpflichtig, es kostet nicht viel, aber die Prozedur ist zu nervenaufreibend.
– Tschechien – Landstraße fahren, Autobahnen fahren lohnt nicht, die Bahn ist teilweise in extrem schlechten Zustand, es wird aber viel gebaut.

 

2015-04_RO_-_HU_-_SK_-_CZ_-_D_Berlin

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