2015-05 und 06 D Mecklenburg-Vorpommern

Meine alte Heimat hat mich für die nächsten Wochen wieder. Auch diese Welt hätte ich sofort erkannt. Die Bäume sind auch hier nummeriert und die Menschen hier haben so ihre Eigenarten.

Eine schmallippige, graue Mitarbeiterin einer Tankstelle blafft mich an, warum ich denn die Nummer der Tanksäule, die ich benutzt habe nicht wisse, sie könne schließlich nicht um die Ecke schauen, ohne dabei ihr Telefongespräch zu unterbrechen. Der nach mir anstehende Bittsteller erdreistet sich auch noch zusätzlich eine Bockwurst zu bestellen, aber auch das meistert die Chefin mit zwischen Ohr und oberer Schulterpartie eingeklemmtem Telefon, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Ansonsten gibt es viele neue und riesige Autos, auf schmaler Straße kommt mir ein nagelneuer Opel Corsa entgegen, der mittlerweile die Ausmaße einer Mercedes S-Klasse der späten 90er Jahre erreicht hat. Er gerät aufgrund der 2,5 m ohne Spiegel und Anbauteile, Breite meines Fahrzeuges und der nur handtuchbreiten Straße gefährlich wild gestikulierend ins Trudeln. Vielleicht hätte er sich doch ein etwas schmaleres Fahrzeug zulegen sollen.

Nagelneue aus der mecklenburgischen Erde gestampfte Wohngebiete, sauber ringsherum und mitten durch asphaltierte Straßen, immer begleitet von breiten ungenutzten Gehwegen, riesige mehrere hundert m² große Wohnschachteln mit winzigen umlaufenden Grünstreifen säumen den Weg der Zu- und Ausfahrtstraßen eines jeden noch so kleinen Dorfes. Deren Durchquerung dauert oft mehrere viertel Stunden bis der Reisende sämtliche per auf rot schaltende Ampelkreuzungen passiert hat.

Wohngebiet-M-V.jpg

Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern!

Schwülstig präsentiert sich unser nordöstliches Bundesland mit einer Internetpräsenz:

„Das Gesicht Mecklenburg-Vorpommerns sind die tiefblauen Augen der Seen und das Grün der Wiesen. In ein gelbes Gewand hüllt sich der blühende Raps und wie eine Glitzerrobe blinken am Abend die Lichter mondäner Promenaden. Das Temperament quirliger Städte vermischt sich mit der Ruhe verträumter Dörfer und Landstriche zu einem Bild voller Harmonie. Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land zum Durchatmen und Auftanken, ein Land zum Leben und Erleben, zum Abschalten und Durchstarten.“

Link zu diesem Machwerk.
Um so verwunderlicher ist es schon, dass das Wort Wohnmobil im Wortschatz der Internetseite gar nicht erst auftaucht. Über 40 Jahre habe ich in diesem Bundesland gelebt und kenne hier schon einige Gegenden. Daher weiß ich auch, dass man hier unserer mobilen alternativen Lebensform alles andere als aufgeschlossen gegenübersteht. So einfach mal in den Wald, an den See oder auch nur auf einen Parkplatz in Strandnähe zum Wohnen anhalten und schon hat man innerhalb kürzester Zeit Besuch. Nicht etwa aus Gründen der Gastfreundschaft, um den neuen Bewohner zu einem Kaffee oder einem Bierchen einzuladen. Nein der erste Besuch kommt meist von irgendeiner sehr wichtigen Behörde, ordnungsgemäß in Uniform oder in halb zivil einen Ausweis vor sich her schwenkend, um festzustellen, dass man hier nicht so einfach wohnen oder auch nur parken kann. Im günstigsten Fall verlässt der Reisende ohne Obolus zu entrichten den ungastlichen Platz und fährt und sucht so lange bis der Tank leer ist, oder er fährt einen sogenannten Wohnmobilstellplatz an.

Ein paar Beispiele aus der Praxis:

Einer dieser ausgewiesenen Plätze befindet sich auf dem Fischland im Ostseebad Wustrow, das Tor zum Darß mit seinen mondänen Badeorten Prerow und Zingst.
Der kleine Ort begrüßt den Gast schon einmal an allen Zufahrtswegen mit einem generellen Parkverbotsschild für den gesamten Ort. Nur auf ausgewiesenen Plätzen (natürlich mit Parkautomaten) darf der Reisende verweilen.

Parken Zusatz PKW

Allerdings tragen alle ausgewiesenen Parkplätze stolz das Zusatzschild PKW
„Findet man unter dem blauen Parkplatzschild Z 314 ein PKW-Symbol, so ist dementsprechend das Parken für Wohnmobile (und z.B. LKW und andere Fahrzeugtypen) verboten und nur das Parken für die abgebildeten PKW erlaubt.“

 

 

Und glaubt mir, darauf warten die dienstbeflissenen Politessen des Amtes Fischland-Darss nur, ein Wohnmobil auf den PKW Parkplätzen, es gibt kein schlimmeres Vergehen, außer vielleicht auf der Wustrower Seebrücke ohne Angelschein erwischt zu werden.
Aber es gibt ihn, den Parkplatz für Wohnmobile. Zugegeben es bedarf schon etwas Mut die erste riesige Pfütze schwungvoll zu durchqueren, aber die Räder haben Grip und es findet sich auch eine etwas trockene Stelle am Rand. Der Parkautomat auf einem Betonsockel sorgt erst für etwas Verwirrung, aber dann habe auch ich es kapiert. Tagesgebühr 4,00 EUR und eine Übernachtung von 22-8 noch einmal lediglich 10,00 EUR dazu. Ich kann es kaum fassen, da soll ich für einen 24-stündigen Aufenthalt sage und schreibe 14,00 EUR bezahlen, für einen unbefestigten PARKPLATZ, mit Ausblick wahlweise auf Buschwerk, einen Regenwasserkanal oder den meterhohen Schilfgürtel.

In diesem Moment rattert ein dreiachsiges Gemeindefahrzeug auf den Platz. Prompt werde ich ANGEBRÜLLT, ob ich den Automaten fotografiere, damit ich ihn des nachts besser ausräumen könnte. Diese Art von Logik erschließt sich mir nicht so ganz. Nein, antworte ich freundlich, ich informiere mich lediglich über die horrenden Parkgebühren.
Dann solle ich erst einmal nach Ahrenshoop, Prerow oder Zingst fahren, dort wäre es noch viel teuer. Außerdem seinen die Preise hier so hoch, da Wohnmobile hier in der Gemeinde nicht erwünscht seinen, die machen nur Dreck, kippen ihre Scheiße in die Büsche oder in den Abfalleimer und kaufen hier im Ort sowieso nichts ein. Soweit der Kommentar des Gemeinde Vertreters. (Der mit dem Vollbart und dem eher leicht sächsischen Dialekt, falls jemand der Gemeinde oder des Ortes hier mit liest und meinen Worten keinen Glauben schenkt.)
Nun, auch auf meinem Einwand, dass laut Statistik Wohnmobilfahrer deutlich mehr am Urlaubsort ausgeben, als beispielsweise Kreuzfahrer meinte er nur, das wäre ihm auch egal Fakt ist sie wollen hier keine Wohnmobile und dieser Platz wäre nur eine Notlösung um den Aufenthalt so unangenehm wie möglich zu gestalten.

Unweit dieses ungastlichen Ortes befindet sich die „Bernsteinstadt“ Ribnitz-Damgarten. Auch hier gibt es einen Wohnmobilplatz auf der sogenannten Gänsewiese zu 8,00 EUR Übernachtungsgebühren, der Tagesaufenthalt kostet nichts, Strom kostet extra.
* UPDATE* Mittlerweile gibt es auch einen Entsorgungstank für Fäkalien.
Aber auch diese Stadt hält eine Falle für das fahrende Volk bereit. Es gibt einen weiteren Stellplatz direkt am Hafen und hier wird voll abkassiert. Tagesgebühr 9,75 EUR plus Übernachtung 10,00 EUR ergibt ein Summe von 19,75 EUR für einen „Parkplatz“, ohne Wasser, Strom, Duschen, Sauna, Swimmingpool. Es ist einfach nur frech und äußerst ungastlich.

Das waren nur zwei Beispiele. Richtung Darss steigen die Preise noch und ich kann allen leider nur empfehlen diese Region zu meiden. Zahlt nicht diese horrenden Preise ohne jegliche Gegenleistungen. Jahrelang habe ich in dieser Region gewohnt und ich schäme mich für die Abzockmentalität meiner Mitbürger, somit der Städte und Gemeinden.

„Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land zum Durchatmen und Auftanken, ein Land zum Leben und Erleben, zum Abschalten und Durchstarten.“

Aber nicht so!

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