2018-01 ES Andalusien – Regen, Schnee und Flamenco im Olivenhain

Bienvenidos a Andalucía

Die Straße wird holpriger, der Asphalt von Löchern perforiert, und sicher, Polizei gibt es hier auch. Da klappert uns schon einer entgegen in einem rostigen alten Seat. Kaum haben wir uns auf ein halbwegs trockenes Plätzchen gequetscht, kommt auch schon die Forstverwaltung in einem meinem Geburtsjahr entsprechenden alten Landy angerödelt und grüßt uns freundlich aus den bis zur Unkenntlichkeit beschlagenen Scheiben. Hier in Andalusien ist alles wieder im grünen Bereich. Anscheinend ist die Gesetzeslage doch regional unterschiedlich.

Der Dauerregen hat uns fest im Griff, die Landschaft ändert sich unwesentlich, endlose immergrüne Wälder, die Wolken fallen in die Täler. Wir lassen uns nicht abschrecken und gehen wandern, genießen die Ruhe und das Plätschern der nassen Natur.

Bei der kleinen Ortschaft Siles fahren wir in die Sierra de Segura auf die schmale JF-7012. Das Sträßchen windet sich Kurve um Kurve mit starkem seitlichen, wie eine Rennstrecke versehenem Gefälle in die Höhe. Bei 1200m ist dann Schluss. Der Neuschnee hat eine geschlossene Schneedecke von vielleicht 10cm gebildet. Da macht es keinen Spaß, zu fahren. Ein Notplatz an einer rauschenden Quelle ist schnell gefunden. Der neue Schnee und das gleißende Sonnenlicht streicheln unsere Seelen. Wir wandern in die Berge und erfreuen uns an den Schönheiten der Natur.

Sierra de Cazorla

Dick verschleiert der Regen den morgendlichen Tag. Wabernd ziehen die Nebelschwaden durch das erwachende Tal. Mitte Januar überrascht Spanien uns wieder einmal mit seiner Vielfalt der Natur. Wer hätte erwartet, mitten in Andalusien einen Zauberwald mit satten grünen Moosen, rankenden Flechten und feuchten Moorwiesen zu finden. Die Sierra de Cazorla zeigt sich von einer wilden urwüchsigen Seite, unzählige Quellen und kleine plätschernde Bäche begleiten unseren Weg. Ein dampfender tropischer Regenwald breitet sich im Tal des Guadalquivir rechts und links der schmalen zerfahrenen A-319 zwischen der Sierra de Segura und der Sierra de Cazorla aus.

Am Rio Borosa

Der wilde Gebirgsfluss schlängelt sich entlang unzähliger Plastikplanen-Dauer-Campings, Hotels und Casa Rurals, eine touristisch stark erschlossene und bereiste Gegend. Aber nicht im Winter.

In der kleinen Siedlung Piscifactoria machen wir Station um einen der beeindruckendsten Canyons, den des Rio Borosa zu erwandern. Das Flüsschen windet sich und fällt in unzähligen Kaskaden und Wasserfällen aus 1500m bis auf 660m bis zur Mündung in den Guadalquivir.

Wir folgen dem imposanten Schauspiel über insgesamt 22km und 900 gewanderte Höhenmeter. Im Sommer rasen ganze Rudel von Transport-Geländewagen die Schlucht hinauf, um die betuchteren Gäste den teilweise beschwerlichen Weg zu befördern.

Wir genießen die winterliche Einsamkeit, die morgendliche Sonne lässt die Bäume dampfen. Wir staunen über den Baumeister und Choreografen Natur, Gischt spritzt in glitzernden Sonnenstrahlen. Wir sind klein, so klein gegen die gewaltigen senkrecht aufragenden Felswände.

La Iruela – Cazorla
Andalusiens Olivenplantagen

Sollte es den Reisenden im Winter in die beeindruckende Landschaft südlich des kleinen Doppelortes La Iruela  – Cazorla verschlagen und er wollte beabsichtigen in diesen Orten zu verweilen, ist es anzuraten eine Vorratspackung Ohrstöpsel mit sich führen um gegebenenfalls das Gehör vor Dauerschäden zu bewahren.

Eine Armada aus fernöstlichen Geländewagen mit zweiachsigen Kofferanhängern und brüllenden Traktoren als Begleitfahrzeuge schlängelt sich durch die unendliche Monokulturlandschaft des Rio Guadalquivir. Aus ihrem Inneren ergießen sich unzählige Plantagenarbeiter bewaffnet mit kinderkopfgroßen Motoren eines japanischen Herstellers, ausgerüstet mit diversen Anbaugeräten vom ausgefeilten Olivenbaumrüttler bis zum chemikalienverspritzenden Photon Blaster, verbreiten sie eine Geräuschkulisse, die dem Startsound eines durchschnittlichen Verkehrsflugzeuges nicht unähnlich ist.

Das ganze Tal ist in eine Kakophonie der unterschiedlichsten Sirr-, Piep- und Zischgeräuschen gehüllt. Hier wird im großen Stil Olivenöl der Klasse “Natives Olivenöl Extra” angebaut wie es stolz am Ortseingang heißt. Und momentan ist Haupterntezeit.

Nur wenige Kilometer gen Süden, in die beeindruckenden Berge der Sierra de Cazorla gewandert, herrscht Ruhe vom hektischen Treiben im Tal.

Wie beschaulich mag es dort wohl vor noch wenigen Jahrzehnten zugegangen sein. Die Bevölkerung hat sich seit den 50er Jahren zwar halbiert, die Geräuschkulisse hat sich dank Honda und Carl Benz um ein Vielfaches gesteigert.

Unsere Reiseroute

Reiseroute 01-2018

4 thoughts on “2018-01 ES Andalusien – Regen, Schnee und Flamenco im Olivenhain”

  1. Rüdiger Artel says:

    …..wie immer, tolle Fotos und professionell kommentiert.

    1. marco_be says:

      Danke für die Blumen. 🙂

  2. Michael Nein says:

    Viele Grüße aus Wilmshagen, Mario und Michi Nein

    1. marco_be says:

      Schön, mal wieder von euch zu hören. Irgendwann sehen wir uns … 🙂

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