2018-01 ES Zwischen Gänsegeiern, Schnee und der Guardia Civil - Wagen Blog

2018-01 ES Zwischen Gänsegeiern, Schnee und der Guardia Civil

Sierra de Matanza
Bummelroute durch das Land der Mandeln und Oliven

Seit immer MEHR auch im Winter an das MEER wollen, schaut es dort eher wie ein überfüllten Campingplatz aus, als ein Ort an dem es sich zu wohnen lohnt. So ziehen wir lieber wieder in die Berge. Wir suchen uns kleine Strassen, knapp über dem Zustand einer Schotterpiste. Oft fahren wir nur wenige Kilometer weiter und bleiben dann wieder ein paar Tage, um die Gegend gründlich zu erwandern. Das erfreut unsere drei Hunde genauso wie uns.

Hier, im bergigen Inland Spaniens, haben wir natürlich keine sommerlichen Temperaturen. Am Tag ist es meist um 10 Grad und nachts ist es bitter kalt, der Holzofen brennt und spendet uns wohlige Wärme. 😉  Die wenigen Menschen denen wir begegnen sind freundlich und sichtlich entspannt, hier fühlen wir uns rundum wohl.

So verbringen wir die neuen Tage des Jahres in einer verlassenen Gegend, einer von allen Seelen endgültig 1956 verlassenen alten Minenarbeiterstadt, Barrio de las Minas. Begonnen wurde hier mit dem Schwefelabbau schon um 1777. Die ersten Minenarbeiter lebten in kleinen Höhlen,die auch jetzt noch überall im Berg als Löcher schon von weitem zu erkennen sind. Einige der über 130 Wohnhöhlen wurden eher touristisch wieder hergerichtet, wie lassen sich sonst Hochglanz Pin-ups eines bekannten Motorsägenherstellers an den Wänden der Höhlen erklären.
Obwohl, die erste Motorsäge wurde tatsächlich schon 1926 verkauft. 🤔

Über diese Kleinigkeit schauen wir hinweg, hier zählt allein das Engagement und die Hingabe einiger Bewohner des Nachbarortes Libros, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese alten Wohnhöhlen instand zuhalten und liebevoll einzurichten. Alle Höhlen sind offen zugänglich, der Besucher wird nur durch kleine Hinweiszettel gebeten dem Ort respektvoll zu begegnen.

Sierra de Alcaraz
Im Land der Guardia Civil, oder ein Polizeistaat zeigt was er kann

Seit ein paar Tagen nerven uns die vielen mit bunten Lichtern ausgestatteten Fahrzeuge der Exekutive. Wir fahren gemütlich Richtung Sierra de Alcaraz. Im Rückspiegel sehe ich die blauen Lichter eines spanischen Kleinwagens, denke mir nichts dabei, da haben sie unser kleines “Begleitfahrzeug” schon angehalten, einen “schweren” Verkehrsverstoß feststellend, mit finsteren Minen allerlei technische Geräte aus dem Inneren ihrer rollenden Einsatzzentrale kramend, schon nach wenigen halben Stunden einen Strafzettel ausgedruckt. Das am Heckträger befestigte Fahrrad verdeckte das Nummernschild und einen Teil der Rückleuchten. Hmmm, da muss man sich schon in genau einem passenden Winkel aufstellen, um eine Verdeckung herbeizuführen; ich koche ob der 200,-EUR Bußgeld, bei Zahlung vor Ort gäbe es 50% Rabatt, unglaublich. Glücklicherweise kann ich mich zusammennehmen, ich setze mich stur in das Fahrerhaus, bin kurz davor um “aus versehen” das vor stehende Fahrzeug etwas anzustupsen, huch, Handbremse vergessen.

Glücklicherweise tat ich es nicht, denn wir sind in einem Polizeistaat gelandet der zumindest in der europäischen Union seines Gleichen sucht. Wir mussten am eigenen Leib die Überheblichkeit und Arroganz der Polizei spüren und sind mit den nur 100 EUR glimpflich weggekommen, denn das ist hier die Mindestbuße. (wie der Schweizer sagen würde)

Es ist schon bedenklich, was hier in Spanien seit der letzten Gesetzesänderung Mitte 2015 passiert, lest mal selbst:

Zitat FAZ 02.06.2017

„Alles, was die Polizei angibt, gilt als wahr“
„Es gibt keine Unschuldsvermutung wie im Strafprozess. Alles, was die Polizei angibt, gilt als wahr. Der Beschuldigte muss das Gegenteil beweisen“
Quelle:
Frankfurter Allgemeine

Wenig später fahren wir weiter durch die endlosen Wälder der Sierra. Ein einsamer idyllischer Waldparkplatz erwartet uns, Basis einer Wanderung zur Quelle des Rio del Mundo. Er entspringt unterhalb des Hochplateaus Calar del Mundo aus einer riesigen Grotte in der Mitte einer fast 300 m hohen Steilwand.

Aber auch hier sind wir unter ständiger Beobachtung. Es wimmelt von wichtigen Fahrzeugen; es sorgen drei riesige Geländewagen der Forstbehörde, ein kleines geländegängiges Guardia Auto und noch zwei weitere chromblitzende der Feuerwehr den ganzen Tag für unsere Unterhaltung. Am Abend merken sie anscheinend, dass wir uns durch ihre “Drohgebärden” nicht abschrecken lassen, es klopft wir werden aufgefordert, da wir schon mehr als 24 Stunden hier stehen, ihren ungastlichen Ort zu verlassen. Es schneit und grieselt, die Temperaturen fallen in den Minusbereich, das Öfchen brennt und wir sollen hinaus in die Kälte?

Was ist nur hier in Spanien eigentlich los? Anscheinend will man uns hier nicht mehr. Sehnsüchtige Erinnerungen an das letzte Jahr in Albanien tauchen auf, wo wir von der Polizei noch mit Handschlag begrüßt wurden, Freude ausdrückend über unseren Besuch. Wir sind etliche Kilometer durch die Autonome Gemeinschaft Kastillien la Mancha mit viel Polizeibegleitung gefahren, morgen überqueren wir die Grenze nach Andalusien, vielleicht wird es dort besser …

Unterwegs

Unsere Reiseroute

Reiseroute 01-2018

Reiseroute 01-2018

4 thoughts on “2018-01 ES Zwischen Gänsegeiern, Schnee und der Guardia Civil”

  1. Corinna Praechter says:

    Na das gleicht ja schon einem Krimi. Ch hoffe, ihr seid eure Verfolger los und habt ein besseres Plätzchen gefunden. Sind in Andalusien nicht noch Stierkampfarenen?

    1. marco_be says:

      Stierkampfarenen? Ja, die gibt es nicht nur in Andalusien, sondern überall hier, in Südfrankreich und auf der ganzen iberischen Halbinsel. … und in Andalusien ist es wieder ruhiger. 😏

  2. globetrottel1 says:

    Intressanter Blog ! Bin durch Zufall darauf gestoßen. Die “Zustände” in Spanien sind bizarr, es sind wie du berichtest einfach zu viele dort, alle schön konzentriert und kompakt an der Küste. Das jetzt im Landesinnere auch schon jagt auf uns gemacht wird haben wir selber noch nicht mitbekommen, sehr bedenklich!
    Ende Oktober stellten die Bullen in Albanien fest, das am Aufbau die Hälfte der rückwärtigen Beleuchtung nicht funktionierte. Das wollte ich dann auf die schnelle reparieren, was aber von der Obrigkeit abgelehnt wurde, ich mußte weiterfahren, ohne Knolle aber mit Handschlag verabschiedet!
    Gruß Jürgen der Globetrottel

    1. marco_be says:

      Wie in dem Beitrag beschrieben war das tatsächlich im Landesinneren eine einmalige Aktion in La Mancha, weiter in Andalusien war es jetzt fast zwei Monate später wieder alles entspannt, es gab nicht einen einzigen Konflikt, auch nicht direkt an der Küste.

      Und Albanien ist natürlich ganz anders, noch. Wir waren im letzten Jahr insgesamt fast 7 Wochen dort und haben durchweg nur positive Erfahrungen gemacht. Den Handschlag kann ich bestätigen, meist kam dazu bei einer Kontrolle noch das Wort “Willkommen” und ein strahlendes Lächeln. 🙂

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