2018-02 ES Unsere Riesenbadewanne und sind wir Hippie oder nicht?

Unsere Riesenbadewanne im Stausee

Der Embalse del Negratin hat durch lange Trockenheit in diesem Jahr extrem wenig Wasser und so taucht zu unserer Überraschung am südlichen Ufer eine heiße Quelle aus den Fluten auf, die seit vielen Jahren ihr warmes Wasser ungenutzt in den Stausee fließen lies. Es ist ein riesiges Becken von vielleicht 50×25 Metern entstanden, gefüllt mit herrlichem 38 Grad warmen Wasser.

Wenige Einheimische und ein paar Wohnmobilfahrer genießen das warme Bad bei den frostigen Temperaturen und den eisigen die Berge herunterfallenden Winden. Wir leben hier ein paar Tage im Einklang mit der herrlichen Natur und einigen Mitbadern. Es kommen und gehen die Menschen und eines Tages poltert ein kleines Wohnmobil den steilen schotterigen Hang zu unserer Badestelle herunter, dem Kennzeichen nach Angehörige eines kleinen europäischen Bergvolkes aus der Mitte Europas.

Neue Gäste kommen. Man grüßt sich, winkt einmal herüber, der Gegrüßte winkt normalerweise zurück, aber diesmal wendet sich der Betreffende rigoros, den Gruß ignorierend ab und sein Blickfeld erfasst wichtigere Dinge wie die Kieselsteine zu seinen Füßen. Unglaublich!

Nun, es ist wie es ist. Wir genießen das heiße Wasser und trotzen den Widrigkeiten der Natur. Unsere österreichischen “Freunde” ignorieren uns, selbst im vorbeigehen, die Nachbarin fläzt und wischt auf einem Smartphone vor sich hin, lugt zu uns und wendet sich kurz vor dem Blickkontakt blitzschnell ab. Am folgenden Tag haben sie das Areal verlassen, stehen etwas schräg an der matschigen, eigentlich für die Art ihres Fahrzeuges unpassierbaren Straße.

Ein Fiat Dukato, Vorderradantrieb mit einem Mini Fahrgestell und einem viel zu großen Alkoven-Aufbau windet sich die mit Schlamm gefüllten Löcher empor, aber der Bergvölkler denkt “da hoab i schoan gonz andre Gipfel bzwungen”, da sackt er schon weg, das Fahrzeug steht schräg in einem gefährlichen Winkel eingesackt, kein Rad dreht sich mehr. Der Einsame buddelt und pflastert sich über Stunden bis zum nächsten Tag einen neuen Weg. Es kommt auch keiner der hilft, es ist auch keiner da, denn er hat auch niemanden gesehen und deshalb fragt er nicht.

Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, aber vielleicht denkt er drüber nach …, wir baden noch ein wenig und lassen unsere Seele streicheln.

Granada, dann doch lieber nicht.

Diese große Stadt haben wir hinter uns …. 😉
Ja, das ging schnell.

Wir mussten schon bei der Anreise feststellen, dass wir nicht mehr so ganz großstadttauglich sind, man vergisst vieles. Wir haben jeder lange in großen Städten gewohnt und irgendwann ist das Maß der Toleranz übergelaufen. Denn auch in Granada erleben wir Verkehrschaos, Super-Hyper-Riesen-Outlet-Center, gestresste, hastende Menschenmassen, hupende, stinkende Autos, Bezahlparkplätze …., hier verboten, da verboten …
Die Alhambra ist auf Monate ausgebucht, wer es trotzdem versuchen möchte, hier findet ihr die offizielle Seite, dort kann man direkt buchen und auch die Verfügbarkeit einsehen. Aus diesen Gründen war die Stadt für uns schnell erledigt.

Wir lieben die Schönheiten, den Klang und Geruch der Natur.

Die Hippie Kommune auf dem Olivenberg

Heute wollen wir einmal testen wie das mit dem Hippie-Leben, mit dem Hippie-Sein so ist. Wir outen uns hier einmal und gestehen, wenn man die Definition eines Hippies in den einschlägigen Gruppen und Foren liest, nein, dann sind wir es nicht.
Mit dabei haben wir zum Beispiel eine kleine Satelliten Antenne zum Empfang einiger Fernsehprogramme, um gelegentlich einen Film oder eine Reportage anzusehen. Außerdem ist unser Wagen nicht mit bunten Blumenbildern beklebt oder gar handbemalt, und auch unsere Kleidung ist Hippie untypisch, eher praktisch für den Wander- und Entdeckeralltag ausgelegt. So geht das natürlich nicht.

In den Olivenbergen in der Nähe der heißen Quellen von Santa Fe entdecken wir eine kleine Gemeinde, die sich schon äußerlich durch ihre Uniformität als eine Hippie Kommune einordnen ließe. Zwischen unzähligen rumpeligen Kleinlastern und bergeweise lagerndem Plastikmüll hausen dort einige Individuen mit Rastazöpfen, gekleidet mit weiten bunten Pluderhosen inmitten unzähliger streunender, haariger Fellbündel. Im schlammigen, brackigem Quellwasser hocken, sich die Haare vom Körper schabende Badende, ein lockeres Tütchen im Mundwinkel, alles cool.

Ist man so wirklich Hipp oder auch nicht?
Überall in der Welt trifft man auf ähnliche Gemeinschaften.

Seien es, die sich zu hunderten Einheiten zusammenrottenden Überwinterer in ihren Fertigteil-Plastik-Wohnmobilen an Orten wie der ehemaligen Ziegenwiese oder die Gartenzwerge züchtenden Kleingärtnern einer deutschen Gartenkolonie. Da fällt mir momentan kein großer Unterschied auf, lediglich die Verpackung, die Erscheinungshülle variiert, sonst nichts.
Zum einen lächeln dich die Insassen der Ziegenwiese-Fraktion an wie die Frontrentner einer Werbekampagne für dritte Zähne, in feinsten Zwirn gehüllt, die Wintersonne tief in das braun-lederne Antlitz gebrannt. Auf der anderen Seite die Rastafaris etwas gewollt heruntergekommen im Erscheinungsbild und die Gartenzwerge in Kittelschürze und Latzhose, immer munter ein Grabewerkzeug schwingend.

Letztendlich, es ist egal, solange man alle Daseinsformen der menschlichen Spezies akzeptiert und toleriert, nicht die Uniformität einer Gruppe nutzt, um andere zu unterdrücken, zu beleidigen oder vielleicht sogar zu eliminieren. Denn das hatten wir schon, das wollen wir bestimmt nicht wieder.

Maren in ihrem Blog changeandshine.de hat das sehr schön auf den Punkt gebracht und ich möchte das hier zitieren:

Die heutigen Hippis sind wie ihre Vorgänger, Anhänger einer Geisteshaltung, die das freiheitliche, pazifistisch-soziale, tolerante Gemeinschaftsleben postulieren. Innerhalb dieser Lebensphilosophie sind anarchische Denkweisen ebenso gängig wie naturreligiös-spirituelle, das bedeutet allgemein die Liebe zur Natur. Generell bedeutet ein Hippie zu sein im Großen und Ganzen offen zu sein sowie gute Dinge zu begrüßen und auszuprobieren.

In diesem Sinne sind wir doch alle irgendwie Hippies.

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