Das Schreien der Lämmer

Es regnet in Andalusien nun schon den vierten Tag in Folge, das kennen wir sonst ja eigentlich nur aus Deutschland. Dem Land hier tut das viele Wasser gut, denn auf unserer monatelangen Reise durch Spanien fanden wir jeden Stausee fast leer vor. Nur der Reisende ist leicht maulig, hat er sich seine Zeit in Südspanien doch irgendwie sonniger vorgestellt!
Wir aber sind guter Dinge, haben wir doch einen guten Platz im Schutze des Torcal-Gebirges gefunden. Das Wasser kann hier gut in den nahen Bach abfließen und der Sturm bleibt oben an den Bergen hängen.
Täglich kommen die Schäfer in ihren Autos vorgefahren und beaufsichtigen ihre Herde, die mehrere hundert Schafe umfasst und bimmelnd um unseren Lkw grasen.
Ein tolles Bild, auch weil es gerade die Zeit ist, in der sie ihre Lämmer zur Welt bringen.
Und so zieht nun also diese große Herde laut bimmelnd und blöckend an uns vorbei und durch den kleinen Bach auf die andere Hangseite. Die Geräuschkulisse entfernt sich, “määhmääh” aber noch immer hören wir sehr nah ein klägliches “beeeeehbeeeh”.
Alle Schafe sind aber längst weit weg.
Ich gehe dem Geräusch nach und sehe zwei gerade geborene Lämmer pitschnass am Bach. Das eine ruft immer wieder nach der verschwundenen Mama, denn das zweite hat sich bei der unbeholfenen Bachüberquerung am matschigen, steilen Hang in den Brombeerranken verheddert und ist nun gefangen. Keine Mama. Kein Schäfer.
Es regnet und ist kalt. Naja, hilft wohl alles nichts, muss ich wohl auch durch den Bach waten und Lämmer retten. 🙄 Ist ja sonst niemand da…. aber während ich das erste aus dem Gestrüpp befreie und mir beherzt unter den Arm klemme, (hab ich doch neulich erst beim Schäfer in Alhama de Granada gesehen wie’s gemacht wird) rennt das zweite laut schimpfend mitten zwischen das hohe Schilf und ist verschwunden.
Na prima…. Ich wandere also mit Lamm Nr.1 los und suche die Schäfer, und ich muss lange suchen!
Sie haben sich in ihrem anderen Auto hinterm Berg vor dem Regen versteckt. Sie lachen mich sehr freudig und freundlich an, als ich mit meinem Lamm unterm Arm angewandert komme.
Ich versuche ihnen mit meinen dreieinhalb Worten spanisch zu erklären, dass da noch ein zweites Lamm irgendwo im Schilf hockt, bin mir aber nicht sicher, ob sie es verstehen. Sie bringen also Lamm Nr.1 zur Herde und ich geh zurück Richtung Lkw. Aber ich weiß auch das Lamm Nr.2 alleine keine Chance hat und meine Schuhe sind ja eh schon pitschnass….so stromer ich so lange durch das Schilf bis vor mir ein stilles, nasses, zitterndes Häufchen Lamm liegt. Ich packe es sofort unter meine dicke Jacke, es ist ganz still und schmiegt sich an.
Als ich auf die kleine Schotterstrasse trete kommen mir meine Schäfer schon entgegengefahren…. das Lachen in den runzligen Gesichtern ist diesmal noch viel breiter und lauter und sie bedanken sich lang und herzlich bei mir!
War mir doch ein Vergnügen und so ein kleines Lamm wollte ich schon immer mal wie ein richtiger Hirte unterm Arm tragen, ich finde es steht mir 🐏🐑👩‍🌾

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