Abseits ist meist mittendrin Oder Das wahre Leben spielt sich jenseits der Reiseführer ab
SÜDITALIEN
Was ist es das mein Herz beim Reisen freudig werden lässt? Ist es die Landschaft? Die Menschen? Die Erlebnisse? Ich würde sagen es ist eine gute bunte Mischung daraus. Und ich hatte mit Italien ein Land vor mir, über das ich nur wusste das ich nichts weiß. Durch unser eher langsames Reisen bleiben wir häufig an Orten von denen wir vorher noch nie was gehört hatten und sind dann oft sehr begeistert. Das Leben in den Dörfern ist einfach und recht ursprünglich. Die Menschen hier sind immer sehr aufgeschlossen und freundlich und angenehm neugierig woher wir denn wohl kommen und dann freuen sie sich sehr wenn wir sagen wie schön wir es bei ihnen finden.
Gestern wurde ich spontan in ein Haus eingeladen in dem gerade renoviert wurde um vom Balkon aus ein besseres Foto von der uralten lateinischen Inschrift am Nachbarhaus zu machen. Heute führte mich die Frau Fleischerin stolz aus dem Laden in den Regen hinaus um mir ihre Olivenbäume zu zeigen aus denen sie ein wirklich unglaublich leckeres Öl produziert, natürlich Bio. Und das alles ohne das wir uns eigentlich verständigen können, da mein italienisch kaum fünf Worte beinhaltet….aber Verstehen geht ja über die Sprache hinaus. Und so schlendere ich durch all diese Dörfer mit ihren Geschichten und was ich persönlich ja so schön romantisch finde, nämlich das Leere und den langsamen Verfall, hat eigentlich traurige Gründe . Es gibt kaum Arbeit und wer möchte heute denn noch Holz schleppen um es warm zu haben….?
Dazu schrieb mir Agnesa Amato ,die Italien sehr gut kennt, zur Erklärung : …. da meine Familie aus Süditalien ist, möchte ich hier einwenden, dass es vielen nicht um ne “Döner Bude” um die Ecke, sondern vielen ums Überleben geht. Viele mussten unser Dorf (ca. 90 km von Salerno weg im Gebirge im Cilento und Deine Bilder erinnern mich sehr an Monte Sangiacomo) verlassen, weil es im Süden einfach viel zu wenig Arbeit gibt. So auch meine Eltern. Ihr Traum war es immer, ins Dorf zurück zu kehren. Aber nach sovielen Jahren in Deutschland waren sie hier (also in D) nie wirklich zu Hause, aber sie blieben, weil wir,die Kinder, Enkel und Urenkel, hier sind. Und in Italien galten sie immer als “die, die in D reich wurden”. Was sie, am Rande bemerkt, nie waren… Mein Vater durfte krankheitsbedingt erst “heimkehren” als er letztes Jahr starb. Das war sein größter Wunsch… wenigstens in der Heimat beerdigt zu werden… Mein Cousin z. B. ist mit 16 nach Mailand gegangen, weil er dort Arbeit in einer Fabrik gefunden hatte. Auch er lebt heute noch in Mailand (über 30 Jahre später)…
Jedenfalls sind diese Menschen hier auf den Dörfern ganz besonders herzlich und sie lieben ihr Land, ihre Heimat. Das zeigt sich an vielen kleinen Dingen. Hier in Gambatesa in Molise zum Beispiel an der Liebe zum Detail : Blumen wachsen aus alten Schuhen, nachdenklich machende Sprüche säumen die Gassen auf bunten Holzbrettern und viele Türen sind kunstvoll bemalt. Ein Ort der eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte….genau wie die Menschen hier.











































